Juni 18

Alte Freundschaft

Da ist die liebe Schwalbe wieder,
Sie blieb uns fast zu lange aus;
Sie zwitschert ihre alten Lieder
Und zieht ins alte, kleine Haus.

Sie trägt den Frack, den schwarzen, alten,
Den sie im vor’gen Jahre trug;
Die Weste hat sie gut gehalten,
Sie ist noch weiß und rein genug.

Wer weiß, was alles sie getrieben,
Seit sie gereist ins ferne Land,
Doch ist die alte sie geblieben,
Die Sonne hat sie nicht verbrannt.

Drum hab‘ ich sie auch auf der Stelle
Erkannt am Frack und am Gesicht.
Mein Schwälbchen komm, flieg nicht so schnelle,
Du thust, als kenntest du mich nicht.

Nicht wahr, ich bin recht groß geworden,
Seit wir uns sah’n zum letztenmal,
Seit fort du zogst nach fernen Orten
Weit über Meer und Berg und Thal.

Komm nur, wir sind ja doch die Alten
Und bleiben’s auch in diesem Jahr;
Wir wollen gute Freundschaft halten,
So wie’s im vor’gen Sommer war.

Georg Christian Dieffenbach



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Veröffentlicht18. Juni 2020 von Klaus in Kategorie "Gedicht des Monats

1 COMMENTS :

  1. By Luise Roge on

    Junge Freundschaft

    Neuer glänzen meine Stunden,
    Voller sprießt und wogt das Land,
    Seit ich meinen Freund gefunden,
    Dem der Frühling mich verband.

    Pfauenaugen, Schwalbenschwänze
    Schweben durch die blaue Luft,
    Ferne Mädchen schlingen Kränze,
    Wenn im Wald der Kuckuck ruft.

    Arm in Arm geht’s in die Weiten
    Von der Frühe bis zur Nacht,
    Und wir fühlen es im Schreiten,
    Wie das Wunder uns erwacht.

    Emanuel von Bodman

    Antworten

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