Januar 5

Die Kinder vom See

. . . zum Tode von Alexi Laiho

Als ich sie das erste Mal sah, die Kinder vom See, stiegen mir Tränen in die Augen. Gegen halb vier an einem sonnigen Sommernachmittag im Jahr 2017, nachdem ich vier belanglose & langweilige metalcore Bands ertragen hatte, nur um endlich diese Band zu sehen. Sie stürmten auf die Bühne des Elbriot Festivals, Alexi Laiho rannte zum Mikrophon, streckte seine Flying V zum Bühnenhimmel & schrie ins Mikro, daß es nun endlich an der Zeit sei, richtigen Metal zu hören & ob man jetzt Bock darauf habe. Die Menge hatte & war begeistert. Dann ging es los. Es gibt wenige Bands, die Thrash mit Progressive verbinden, ohne artifiziell kopflastig zu klingen, besonders live. Children of Bodom gelang das mühelos. Beinharte schnelle Riffs, immer wieder unterbrochen von rasanten zweistimmigen Parallelläufen von Keyboard & Laiho´s Leadgitarre hatten etwas Magisches. Er gehört sicherlich nicht zu den besten Sängern, trotzdem hat seine Stimme die erforderliche Aggressivität & Tiefe, um das rhythmische Geschehen sehr angemessen zu bereichern. Während seiner Soli wirkte er sehr konzentriert, die Flying V zumeist auf dem Oberschenkel des auf eine Monitorbox gestützten linken Beines, den Gitarrenhals steil nach oben, das Gesicht hinter einem Vorhang blonder glatter Haare versteckt, sah man seine schwarz lackierten Fingernägel über die Saiten tanzen. Wirkt allzuviel Kunstfertigkeit bei einigen Bands manieriert & aufgesetzt protzig, war bei CoB alles aus einem Guß. Nichts störte den Fluß der zumeist sehr schnellen Nummern. Die Band transportierte eine unbändige Energie, & Laiho war ihr Generator. Ein atemberaubendes Konzert voll unbändiger Spielfreude.

Wacken 2018. Die gleiche Band, an einem brütendheißen & staubtrockenen Freitagnachmittag. Trotz der Hitze die gleiche Energie, das gleiche perfekte Timing der ausgeklügelten Arrangements, lediglich das hin & wieder ausfallende Keyboard nervte, doch der Band war nichts anzumerken. Wenn Laiho nicht in der ihm eigenen Pose an der Monitorbox stand, rannte er hin & her, feuerte seine Band & das ohnehin schon tobende Publikum zu noch mehr Energie, noch mehr Verausgabung an. Diesmal unmittelbar vor der Bühne, war ohne Weiteres ersichtlich, daß dieser kleine schmächtige Mann mit der großen Gitarre an zwei Enden brannte. Es war unzweifelhaft, daß dort jemand auf der Bühne stand, dessen gesamte Lebensenergie in einer Stunde explodierte, dem Hitze & Staub nichts auszumachen schienen & die Bewunderung für ihn, seine Band & die Musik die Frage nicht zulassen konnte, woher diese Energie kam, wie sie nach dem musikalischen Exorzismus, der dort vollzogen wurde, regeneriert werden konnte.

Wie heute bekannt wurde, ist Alexi Laiho bereits im Dezember nach, wie die Band auf ihrer Netzseite mitteilt, die letzten Jahre andauernder Krankheit im Alter von nur 41 Jahren verstorben. Ich trauere um einen Musiker, dessen technisches Können Hochachtung, dessen Musik Bewunderung & dessen Lebensenergie Überwältigung erzwang.

Der Mitschnitt des Wacken Konzertes von CoB findet sich hier !

 

Januar 2

Pole Position!

Eine Umfrage des SPIEGEL sah neulich den, der hier als Gesundheitsminister firmiert, in der Rolle des beliebtesten Politikers dieses Landes. Ja, genau, noch vor der Kanzlerdarstellerin. Zu dieser & anderen brennenden Fragen erscheint demnächst noch ein längerer Artikel auf diesen Seiten.
Vorab ist es mir eine Freude, die Collage eines langjährigen Freundes & treuen Lesers hier einzubringen. Inspiriert wurde sie von diesem Artikel  & trifft, wie ich finde, den Nagel auf den Kopf. Vielen Dank dafür!

copyright: Udo Behrendt 2021