Juli 26

Gedankensplitter IX

„Can’t keep my eyes from the circling skies
Tongue tied and twisted just an earth bound misfit, I“

Pink Floyd

„Ich habe nach dem Prinzip gehandelt: Siehst du etwas, dann sag auch etwas.“

Madeleine Albright

 

Deutschland ähnelt immer mehr einer Bananenrepublik. Deswegen sind diese Gedankensplitter eine Polemik auf ein Land in politischer Agonie, das unendlich weit unter seinen Möglichkeiten müde & selbstzufrieden vor sich hin dämmert. Schreibend aufzubegehren hingegen ist ein Ausdruck von Leben, auch von Hoffnung, & notwendig, weil mir das dumpfe Deutschland aller Schattierungen, sowie sein scheintotes Personal ein Greuel ist, dem es zu widerstehen gilt. & weil ich die Vereinnahmung verweigere.

Zum 25. Jahrestag des Erscheinens von Botho Strauß´ bahnbrechendem Essay Anschwellender Bocksgesang bleibt neben der Feststellung seiner Erfolglosigkeit wider den linken Zeitgeist vor allem die Intention, die sich, mehr philosophisch als politisch, vehement kulturpessimistischer als aufklärerisch richtet „. . . gegen die Totalherrschaft der Gegenwart, die dem Individuum jede Anwesenheit von unaufgeklärter Vergangenheit, von geschichtlichem Gewordensein, von mythischer Zeit rauben und ausmerzen will.“ Weitsichtig schrieb Strauß´ allerdings schon damals: „Der Leitbildwechsel, der längst fällig wäre, wird niemals stattfinden. Zum Sturz des faulen Befreiungszaubers, des subversiven Gemütskitsches wird es nicht kommen.“ Was hingegen bleibt, ist die ungeheuerlich beängstigende Aktualität.

Selbstgewisse arrogante Saturiertheit & Ignoranz. Das sind die Symptome der deutschen Krankheit. Behandelt wird sie mit einer hysterischen Hypermoral. Mit Heilung hat das nichts zu tun. Die Kur wird zum Symptom.

Die ökonomisch & politisch Verantwortlichen im Lande klopfen sich kräftig auf die Schultern. Zigarren werden angesteckt, der Schampus geöffnet & die Tür geschlossen.  Deutschland geht´s gut. Die Fensterläden werden herabgelassen & selbstzufrieden sinkt man in den Sessel. Derweil dreht sich draußen die Welt immer schneller, die Straße vor der Tür wurde gesperrt, der nächste Bahnhof längst geschlossen & die Züge fahren vorbei. 

Uns geht´s gut. Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosenzahlen sind im Rekordtief nahe der Vollbeschäftigung, der Konsum ist ungebrochen & die Auftragsbücher voll. Vor einer zerfallenden Industrielandschaft sitzt ein Mann in Badehose unter einem bunten Sonnenschirm, ein kühles Getränk in der Hand. Krise ? . . . welche Krise.

Es fehlen Hunderttausende von Pflegekräften für Alte & Kranke, Mieten sind unbezahlbar, die Renten zu niedrig & für jüngere, heute noch Berufstätige, mehr als fraglich. Insekten & Vögel sterben aus, der Klimawandel begehrt unmißverständlich Einlaß, die Schere von Arm & Reich klafft atemberaubend auseinander, der gigantische Exportüberschuß beruht auf Lohndumping, Innovationen finden im Silicon Valley & in China statt. In den Autokonzernen regiert das organisierte Verbrechen, die Luft in den Städten vergiftet die Bewohner, die Massentierhaltung den Boden, das Wasser, das Klima & den Menschen. Schulen, Bahnanlagen, Brücken & Straßen verfallen, in Hamburg will man den Schulkindern wieder verstärkt Lesen & Schreiben beibringen. Schließlich die „Integration“ & der Unterhalt von weit über einer Million kulturfremder Sozialhilfeempfänger mit bestens aufgestellter medialer & politischer Lobby. Das politische Personal hat die Zugänge zu seiner Blase fest verschlossen. Grund zur Sorge besteht hingegen nicht, denn dies ist das Land, in dem wir alle gut & gerne leben.

In Abwandlung eines Zitats von Albert Camus müssen wir uns Kassandra als eine glückliche Frau vorstellen. 

Der Brunnen ist ganz sicher unerschöpflich. Schließlich wird unablässig Wasser geholt. Bei genauem Hinschauen sind die Gefäße abgenutzt, tönern & dünn. Ein Steinchen & der Unaufmerksame strauchelt, das Gefäß zerbricht & die trockene Erde verschlingt das Wasser. Die weithin leuchtende Schrift an der Wand hingegen scheint niemand zu sehen. 

Vor vollen Schüsseln muß ich Hunger´s sterben . . .“  dichtete einst Francois Villon. Das war im 15. Jahrhundert. 500 Jahre schrieb Ingeborg Bachmann: „Es kommen härtere Tage. Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont. Bald mußt du den Schuh schnüren und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe. Denn die Eingeweide der Fische sind kalt geworden im Wind. Ärmlich brennt das Licht der Lupinen. Dein Blick spurt im Nebel: die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont.“ 

In Treue fest steht das Volk zur bleiernen Kanzlerin. Das Adenauer´sche Diktum, bloß keine Experimente, ist der Kern der deutschen DNA. Da ist das ehemalige FDJ Mädel bestens aufgestellt. „Sie kennen mich . . .“ meint, ich bin wie ihr & das muß eben reichen.

Sehnsuchts– & neidvolle Blicke nach Frankreich, wo Monsieur Macron sich anschickt, einen neuen frischen Wind wehen zu lassen & mit Entschiedenheit das Notwendige zu tun oder zumindest anzustoßen, helfen leider nicht weiter. Savoir vivre & eine damit einhergehende Leichtigkeit selbst noch im Entschiedenen, sind dem Deutschen fremd. En Marche in Deutschland ? Vielleicht als Alptraum der Parteien, die leer & ausgebrannt noch schneller dahinsiechen würden. Allein: der deutsche Michel bewegt sich ungern & zieht sich lieber die Decke über den Kopf. 

Es lohnt sich hingegen, die Rede Macron´s vom  26. September 2017 an der Sorbonne zu lesen. Die Französische Botschaft dokumentiert sie hier   https://de.ambafrance.org/Initiative-fur-Europa-Die-Rede-von-Staatsprasident-Macron-im-Wortlaut   in deutscher Sprache. Auch wenn man nicht mit allem einverstanden sein muß, so wird eines deutlich: Die mitreißende Begeisterung, in der sie abgefaßt ist, die tiefe Überzeugung, die aus ihr spricht & der unbedingte Wille zum Neubeginn. All dies ist den schlafwandelnden Produzenten von Sprechblasen, mit denen sie ihre Unfähigkeit & ihr Nichtstun hinter fauligen Formelkompromissen verstecken, vor sehr langer Zeit abhanden gekommen. Ein Gespenst geht um in Europa, es heißt Aufbruch. Denn wer aufbricht, bewegt sich & verläßt den status quo. & das war schon immer das Schlimmste, was im mehltaubedeckten La La Land  Merkel´scher Politikabschaffung geschehen kann.

Der Euro war & ist eine politische Entscheidung, keine ökonomische, denn in dieser Hinsicht ist er von führenden Wirtschaftswissenschaftlern stets abgelehnt worden, sie haben nachdrücklich vor seiner Einführung gewarnt, sein Scheitern als unausweichlich vorhergesagt. Sein Ende ist aufgrund unterschiedlichster  Tatsachen absehbar. Daran werden auch die Pläne Macron´s nichts ändern, im Gegenteil, sie werden die Krise lediglich verschärfen. Zu bedenken ist jedoch: Eine EU ist auch ohne den Euro denkbar, sogar langfristig wünschenswert, sie wird bereits mittelfristig ohne ihn besser dran sein. Ob die bisherigen Erweiterungsphantasien allerdings dann noch vorstellbar sind, darf zurecht bezweifelt werden. 

Der Streit um einen kleinen Teilbereich der verheerenden Flüchtlings“politik“ der CDU – Kanzlerin soll vergessen machen, daß die CSU seit 2015 alle Entscheidungen artig mitgetragen hat. Die Zeit absoluter Mehrheiten in diesem Lande ist vorerst endgültig vorbei. Sogar in Bayern, sogar für die CSU. Deren Antrieb ist vor allem eines: Panik.

Der Zwergenaufstand der CSU gegen Merkel war eine Provinzposse. Daß er sich zu einer ernsten Regierungskrise ausweitet, verdeutlicht, mit wem man es zu tun hat. Am Ende der Sackgasse steht eine Mauer. Man wird die Kratzspuren abbrechender Fingernägel daran finden. Die Verzweiflung steht jenseits der Logik.

Das Verhalten Seehofers zeigt, was für tiefe persönliche Verletzungen & Demütigungen der Politikbetrieb hinterläßt. Aber haben wir nicht immer bedauert, daß es keine Typen wie Strauß & Wehner oder Schmidt mehr gibt, Politiker mit Ecken & Kanten, sperrige Persönlichkeiten ? & ist nicht Seehofer genau so ein Typ ? Wahrscheinlich eher nicht, denn dazu fehlt es an Format. Aber die Zeiten, in denen Wehner den CDU – Abgeordneten Wohlrabe im Bundestag öffentlich Herrn Übelkrähe nennen konnte, sind vorbei. Gefordert ist Geschmeidigkeit, Unanstößigkeit. Politisch korrekt in Sprache & Gesinnung. Aber anstößig muß sein, wer etwas anstoßen will.

Dom in Aachen

Oft ist Fr. Merkel bereits für politisch tot erklärt worden. Jetzt wird’s vielleicht doch noch was: ausgerechnet in der Tagesschau fordert der ARD Korrespondent in Brüssel, Malte Pieper, am 25.6.2018 als Fazit eines wütenden Kommentars ihren Rücktritt. Das ist neu & bisher unerhört. Es zeigt, wie ernst die Lage ist.

Niemand verdreht die Fakten besser & selbstverständlicher in ihr Gegenteil, als der Bundeskanzler Frau Merkel, die für die Folgen einer Reihe von disparaten & verheerenden Entscheidungen nunmehr eine europäische Solidarität einfordert & damit ihr persönliches Scheitern  zur Schicksalsfrage Europas erklärt.

In 20 Jahren wird Merkel in den Geschichtsbüchern als die Zerstörerin Deutschlands beschrieben werden & als die  Totengräberin Europas.

Am deutschen Wesen soll (wiedermal) die Welt genesen, auch wenn niemand in Europa länger bereit ist, dem Führungsanspruch Merkel´s zu folgen & sich für ihre staats- & gesellschaftszersetzenden  Fehlentscheidungen in Mithaftung nehmen zu lassen. & schon gar nicht für die deutsche Autoindustrie.

Ein in England lebender Multimillionär  (. . . Zitat Heiko Maas) kann diesem Land tatsächlich eine Integrationsdebatte aufzwingen. Das ist zwar grotesk, andererseits sagt es viel über die Steuerung der Debattenkultur hierzulande aus. Schnell findet sich natürlich auch ein neuer Hashtag, der sich interessanterweise #metwo  nennt, & in dem Menschen im Promillebereich der Gesamtbevölkerung ihre Erfahrungen kund tun. Von den Medien begierig aufgeblasen wird uns schon wieder ein Stöckchen hingehalten, über das wir pflichtschuldigst zu springen haben. Das ist toll – es lenkt so wunderbar ab von den tatsächlichen Problemen im Land, & ist somit Teil einer allumfassenden politisch /medialen Verdummungs- & Ablenkungspolitik, die um jeden Preis verhindern soll, daß über die realen & tiefgreifenden inhaltlichen, strukturellen & personellen Mißstände gesprochen wird. Z.B. über die Kosten im nahezu fünfstelligen Milliardenbereich, die der Steuerzahler als direkte Folge der katastrophalen Fehlentscheidungen der Merkel – Regierungen in der Migrations-, Euro“rettungs“- & Energiewendepolitik zu zahlen hat. Der Wirtschaftswissenschaftler Daniel Stelter hat hierzu gerade dezidierte & detaillierte Berechnungen aufgestellt. Nachzulesen in seinem eigenen Blog   https://think-beyondtheobvious.com   oder in der aktuellen Ausgabe 08 / 2018 des Cicero

Egal ob #metoo oder #metwo, ob Rassismus, Sexismus, Genderideologie oder schließlich die sog. Integration: Wenige Aktivisten in diesem Land, nach ziemlich großzügigen Schätzungen insgesamt höchstens 60 000 Menschen, also ca. 0,o8 % der Gesamtbevölkerung bestimmen die Themen des Landes & vor allem den Diskurs  in Form & Inhalt. Dazu gehören die 6 – 7000 Journalisten in den relevanten Medienredaktionen, die Vorstände der DAX – Konzerne, exponierte Parteipolitiker, Vertreter der universitären Gremien, sowie die sog. Zivilgesellschaft, also Sprecher der Kirchen, Gewerkschaften & NGO´s. Dazu kommen eine Handvoll Twitter – Aktivisten. Dieses Minoritätenkabinet, zahlenmäßig unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, hält das, was es tut, tatsächlich für lebendige Demokratie; dabei bedient es lediglich die Pfeife, nach der wir alle zu tanzen haben. 

Nach der Europavisite Trump´s ist klar: Dieser vulgäre kulturlose Bauunternehmer muß dahingehend ernstgenommen werden, daß er das, was er sagt, auch tut, wie absurd selbst den eigenen Zielen gegenüber dies auch sein mag. Ich hätte nie gedacht, im Leben jemals einem Satz von Heiko Maas zustimmen zu müssen. Doch seine Bemerkung, wonach die Antwort auf America first nur Europe united sein kann, ist uneingeschränkt richtig.

Der Journalist Wolfgang Bok im ARD Presseclub vom 22.7.2018: „Wir müssen Trump dankbar sein, daß er uns die rosarote Brille von der Nase gehauen hat. . . . . Wir müssen wieder gewahr werden, daß Politik kein evangelischer Kirchentag ist.

Die allgemeine Linke hat sich selbst abgeschafft. Selbst ihre Restzuckungen, sich als das einzig Menschliche in einer unmenschlichen Welt Anspruch & Geltung zu verschaffen, verfangen immer weniger. Die volkspädagogische Absicht ist zu durchschaubar. Die einstündige Debatte nach Wagenknecht´s Rede auf dem Parteitag der Linken offenbarte die sektiererische Realitäts- & Menschenferne großer Teile dieser Partei. Besonders eindrucksvoll, das widerwärtige Gepöbel von Elke Breitenbach. Frau B. ist Senatorin für Arbeit & Soziales im Berliner Senat. Der Zustand von Berlin, einer Art failed state inmitten dieses Landes, wird so ein wenig nachvollziehbarer.

Die Neue Rechte kann für sich in Anspruch nehmen, als einzige die richtigen Fragen gestellt zu haben. Sei es in der Flüchtlingskrise, der muslimischen Landnahme, der Genderideologie, dem geistesfernen Konsumismus & der hirnlosen Dekadenz im Lande. Sie kann nicht für sich in Anspruch nehmen, die richtigen Antworten zu geben. Im Gegenteil.

Wer Figuren wie den Psychiatriepatienten im Weißen Haus, & seine europäisch / asiatischen Spießgesellen bewundert, mag seinem eigenen, zutiefst autoritären Menschenbild genügen, zur Lösung der bestehenden Probleme sind diese Leute & das, was sie auch immer zu vertreten vorgeben, untauglich. Ihnen geht es ausschließlich darum, das Bestehende zu zerstören, ohne eine Alternative bereit zu halten. Das ist Nationalanarchismus in seiner finstersten Erscheinung.

Linken wie neurechten Weltumstürzlern ist eines gemein: Sie betrachten die Welt, die da kommen soll, aus der Warte des künftig Herrschenden.

Der Irrtum, daß ein als „rechts“ verortetes Bild vom Menschen als einer in weiten Teilen problematischen Existenz zutiefst „undemokratisch“ & „menschenfeindlich“ sei, wird ausgerechnet von denen in schrill – hysterischer Weise gepflegt, denen Erziehung & Bevormundung alles, der Mensch indessen nichts ist.

Als Patriot wird gemeinhin jemand bezeichnet, der für sein Land eintritt & das Beste erreichen will. Auch Anhänger der Neuen Rechten nennen sich gerne so. Wie nennt man dann aber Leute, die sich angesichts einer bedrohlichen Weltlage mit den USA im Westen & China im Osten meinen, in die Vereinzelung von Kleinstaaten & nationale Isolation flüchten zu wollen. Ihnen fehlt offensichtlich jedes Verständnis für Geschichte & jede ökonomische Grundkenntnis. Seltsamerweise werfen die gleichen Leute der Linken (völlig zu Recht) Utopismus vor. Das Gesicht der Neuen Rechten ist ein Januskopf. Ich selbst habe zu lange nur in eines davon geschaut.

Die Aufnahme von Bootsflüchtlingen & anderen, schleppergesteuerten illegalen Eindringlingen ist nicht zwingend eine humane Tat. Sie haben Tausende von Dollar für ihre Reise gezahlt. Sie sollten dorthin zurückgebracht werden, wo sie hergekommen sind. Human hingegen wäre es, stattdessen das Kontingent der UNHCR – betreuten Gestrandeten & Verzweifelten zu erhöhen, denen jede Flucht aus ihrem Elend unmöglich ist. Sie könnten auf gesicherten Wegen einreisen, ihre sozialverträgliche Anzahl wäre zudem regulierbar & integrierbar.

Der sog. Masterplan des Innenministers darf als ein erstes Anzeichen von einkehrender Einsicht in die Realitäten bezeichnet werden. Bekanntlich ist jedoch die Unvernunft aller Einsicht Feind. 

Ist es eigentlich nicht auch rassistisch, wenn diejenigen, die dieses Wort dauernd ins Feld führen, bestimmte Gruppen hier Lebender permanent zu Opfern erklären?

Abendhimmel in Monschau / Eifel

Erforderlich ist in der Tat ein Einwanderungsgesetz, das regelt, wer hier aus welchen Gründen, vor allem jedoch zum Nutzen dieses Landes herkommen kann. Für illegale Migranten gilt: Boote werden zurückgewiesen, die Landrouten gesperrt, das generelle Asylrecht ausgesetzt, denn es unterliegt nicht dem Bestandsschutz im Grundgesetz, & die rechtliche Trennung von Asyl, Genfer Konvention & Armutsflucht wieder hergestellt. Berüchtigte Militärdiktaturen wie Australien oder Dänemark zeigen, wie´s geht.

Der Fall des Bin – Laden – Leibwächters Sami A. macht deutlich: Auch wer den Rechtsstaat zu seiner eigenen Parodie verkommen läßt, kann das Ergebnis zwar immer noch Rechtsstaat nennen. Zustimmung darf allerdings nicht erwartet werden.

Linken wie Rechten ist der Mensch lediglich Mittel zum Zweck. 

Die so lautstark propagierte & entschieden eingeforderte Vielfalt entpuppt sich bereits bei oberflächlichem Hinschauen als Einfalt.

Wer Mütter beim Abholen ihrer Sprößlinge aus der Kita oder vor der Grundschule beobachtet, den beschleicht die Vorstellung, die Mütter hätten ihr Smartphone neun lange Monate ausgetragen & unter Schmerzen geboren, während ihre Kinder nach baldigem Ablauf des Vertrages beim nächsten Mobilfunkgeschäft abgegeben werden können.

Daß an den Hochschulen zielstrebig sowohl die Freiheit der Wissenschaft, wie auch die Pluralität des Denkens abgeschafft wird, ist mittlerweile eine vielfach publizierte & diskutierte Binsenweisheit. In einem Beitrag in der NZZ vom 6.7.2018 heißt es dazu: „Die Studierenden, die sich allem verweigern, was ihrer Weltsicht widerspricht, würden aufgehetzt von den «postmodernen Neomarxisten», die in den letzten Jahrzehnten die geisteswissenschaftlichen Fakultäten erobert hätten, behauptet Jordan Peterson (Psychologieprofessor aus Toronto, der sich dagegen wehrte, Transgender-Personen mit den von ihnen gewünschten Pronomen («ze», «xem») anzusprechen – Anm. d. Verf.). Denn sie sähen das westliche Denken nur als Machtmittel zur Unterdrückung aller nicht weissen und nicht männlichen Menschen – dieses repressive System gelte es von Sozialaktivisten zu dekonstruieren.“ Der Begriff dahinter nennt sich „social justice“, womit eine nicht – kodifizierte Form der „Recht“sprechung gemeint ist, die auf den Prinzipien von Feminismus & Bürgerrechten zu beruhen vorgibt, in Wirklichkeit jedoch der reinen Willkür vermuteter emotionaler Befindlichkeiten folgt. Das Hauptfeindbild: sog. alte weiße Männer, also genau die, die für die Stipendien für die social justice Krieger aufkommen.  

Die Ablehnung der EU in ihrer bestehenden Form ist kein Bekenntnis gegen Europa. Im Gegenteil, es ist der Wunsch nach einem demokratischen, bürgernahen & sozialen Europa. Der populistische Virus ist die Reaktion des Hilflosen auf die Weigerung der etablierten Politik, dem Wunsch nach demokratischer Gestaltung & Transparenz gerecht zu werden. Sie ist es, die die Gesellschaft spaltet, es ist das Versagen derer, die sich selbst als  seriöse & verantwortungsbewußte Demokraten bezeichnen & das, was sie tun, als „alternativlos“ bezeichnen. Es scheint, wir müssen uns zunehmend vor uns selbst schützen.

Die Pläne zur erneuten Erweiterung der EU in Richtung Montenegro & Albanien bestätigen die berechtigten Zweifel an der Lernfähigkeit der Verantwortlichen. Nach dem Zerfall der bisherigen EU wird sich ein westliches Kerneuropa konstituieren, welches aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben könnte. Bedauerlicherweise ist auch hier der Konjunktiv die einzig realistische Zukunftsaussicht.

Eine reformierte EU wird die kulturelle Identität ihrer Mitglieder zu bewahren & zu schützen haben, andernfalls wird sie scheitern. Dies ist der einzige Weg, eine europäische Identität anzustreben, die es ermöglicht, Deutscher & Europäer zu sein, oder ein deutscher Europäer oder ein europäischer Deutscher. 

Es wird geurteilt, der syrische Schläger, der auf zwei israelische Kippa – Träger in Berlin eindrosch, könne nicht wegen judenfeindlichen Verhaltens verurteilt werden, denn die Kippa – Träger seien zwar Israelis, jedoch keine Juden gewesen. Daß der Täter dies nicht wissen konnte, & davon ausging, es seien Juden, spielt keine Rolle. Der Antisemitismus trägt Robe am Amtsgericht Berlin – Tiergarten.

Die selbsternannten Eliten beweinen die Folgen ihres eigenen Unvermögens. Ein durchaus erbärmliches Schauspiel.

Die unmittelbaren Folgen des Anthropozän´s verwandeln den hehren vielstimmigen Chor der politisch & ökonomisch Verantwortlichen in die Kapelle auf der Titanic, die hilflos gegen den Untergang anspielt. Die Bevölkerung denkt derweil, sie schaut auf ihrem Breitwand TV einem Katastrophenfilm zu, ohne zu bemerken, daß sie  mit an Bord sitzt.

Mitte Juni, seit März kein Regen: Neulich mit dem Auto zur Kieler Woche. Hin & zurück gut 200 Kilometer.  Wieder zu Hause, sind Scheibe & Scheinwerfer vollkommen insektenfrei. 

Der Druck im Behälter steigt. Diverse Quellen schüren das Feuer, das Gefäß beginnt zu glühen. Je mehr dies geschieht, desto fleißiger wird nachgelegt, das Glühen ignoriert. Derweil sitzen wir alle um das Feuer herum & feiern uns selbst. Bald wird uns der Kessel um die Ohren fliegen. Was wollen wir dagegen tun. Wollen wir überhaupt etwas dagegen tun ? Der Mensch als einziges offenbar grundlegend suizidal angelegtes Wesen. 

Was auch passiert, es kommen härtere Zeiten. Die Unruhe breitet sich aus, die Angst auch. In der Spitalerstraße, einer autobefreiten Einkaufsstraße in der Hamburger Innenstadt, steht ein Mann mit einem übermannsgroßen Holzkreuz, auch bei Regen. Er predigt laut & mit fester Stimme. Er tut dies seit Jahren. Er glaubt was er sagt, er sagt was er glaubt. Die meisten Menschen gehen kiechernd oder gleichgültig vorbei. Andere bleiben stehen & verhöhnen ihn. Die Zahl derer, die stehenbleiben & schweigen, nimmt zu.

Die Angst geht um, es ist zu spüren, daß die Dinge nicht bleiben werden, wie sie sind. Lieb gewordene Gewißheiten werden bezweifelt, lösen sich in atemberaubender Geschwindigkeit auf. Selbstgewißheit & Ignoranz werden bestraft. Nichts bleibt, wie es war. Aber solange der Flieger nach Malle startet & WhatsApp & Konsorten den Blick an´s Display fesseln & die Menschen sich freiwillig in digital ferngesteuerte Zombies verwandeln lassen, ist alles gut. Die durchschnittliche Aufmerksamkeits- & Konzentrationsspanne beträgt ca. drei Minuten. Eine psychiatrische Pandemie, als gesellschaftliches Sedativum hochwillkommen. 

Trappisten – Abtei Mariawald, Heimbach / Eifel

Die Menschmaschine mit dem Markennamen DFB mühte sich durch ein Turnier, welches von der organisierten Kriminalität in Gestalt der schweizerischen FIFA – Mafia aus Gründen der Profitmaximierung regelmäßig abgehalten wird. Der Begriff „Spieler“ mag einem beim Anblick der lahmen Gestalten im deutschen Trikot nicht recht über die Lippen kommen. Humorlos, steif & spaßfrei, deutsch eben. Offizielle des DFB beleidigen nach dem Schweden – Spiel den Gegner. Der Manager Bierhoff kommt mit erfundenen Vorwürfen & Beleidigungen, wo ob des glücklichen Kroos – Tores & des Mexiko – Desasters einzig Demut angesagt gewesen wäre. Ein Sommermärchen ? Eher spießiges Volkstheater mit satirischen Anklängen. Hochverdient einzig das frühe Dahinscheiden.

Die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, besser bekannt als Bachmann – Preis, werden jedes Jahr mit einer Rede an die Literatur eröffnet. Dieses Jahr wurde sie vom Schriftsteller Feridun Zaimoglu gehalten, der seine Rede dazu nutzte, zu behaupten, daß es „keine rechten Intellektuellen geben könne“. Zwar seien „die Proleten in allen Gesellschaftsschichten zu Hause“, doch „rechte Schriftsteller & rechte Intellektuelle können per se nicht redlich sein!“ Rechte sind gemäß Zaimoglu´s Rede empathielose Hetzer. So einfach ist das eben heute. Zaimoglu führt eindrücklich vor, wie der Kampf gegen alles, was der Zeitgeist „rechts“ verortet, also gegen alles, was nicht links ist, heute geführt werden muß. Es geht nicht um den Austausch von Meinungen & Standpunkten, denn alles, was nicht dem linken Mainstream entspricht, darf weder Meinung noch Standpunkt sein. Es geht auch nicht um Disput oder Diskussion, denn der als rechts Verortete ist nicht satisfaktionsfähig. Er ist kein Mensch, per se also ein Unmensch, wohingegen der sich links Verortende ein empathievoller Mitmensch ist, der die einzig mögliche Geisteshaltung vertritt. Dabei handelt es sich allerdings nicht mehr um eine Meinung,  einen Standpunkt, sondern um ein über Allem stehendes moralisches Gebot. Es ist diese hypermoralische Hybris, diese ekelhafte Verbindung von Arroganz, Selbstgewißheit, Anmaßung & Ahnungslosigkeit, die, selbst zutiefst unpolitisch, alles, was sie zu vertreten vorgibt, sogleich wieder ad absurdum führt. Es ist, wäre das so offenkundige Ziel nicht die Vernichtung des Anderen, zuallererst einfach nur lächerlich & ein geistig – intellektueller Infantilismus. Die Verklärung dessen, womit man selbst nichts zu tun hat, zum allein Seligmachenden, ist verkitschte Religion. Es ist der Einstieg in ein faschistoides Gutmenschentum, welches nichts kostetet, & sich deshalb wohlfeil erlaubt, Andersdenkenden jedwede Daseinsberechtigung abzusprechen, sich selbst hingegen als unfehlbar herauszustellen. Von diesem Virus ist die Clownsparade der sog. Kulturschaffenden in frappierender Weise befallen. Der Applaus der vielen anderen wohlmeinenden Claqeure gleicher Provenience ist ihnen gewiß. Von Campino bis zu Frank Castorff gehört man zur Gilde der Erleuchteten im Reich der absoluten Finsternis.

Wer nun  glaubt, dies sei neurechte Propaganda, dem sei geraten, sich einerseits mit dem Begriff der Demokratie, andererseits mit dem der Diktatur etwas eingehender zu befassen. Natürlich nur dann, wenn es das geistige Vermögen noch zuläßt. Empfehlenswerte Literatur wären das Grundgesetz & die Schriften der Aufklärung von Voltaire bis Lichtenberg.

Große Zeitungen werden von außergewöhnlichen journalistischen Persönlichkeiten geprägt, die das Gesicht der Publikationen entscheidend mit prägen, so wie dies für die FAZ der 2014 viel zu früh verstorbene Frank Schirrmacher tat. Für die Neue Zürcher Zeitung ist dies der herausragende Feuilletonist Roman Bucheli & für die Süddeutsche Zeitung ohne Frage Heribert Prantl. An ihm scheiden sich die Geister. Für die Rechten ein Haßobjekt, sehen Linke & Grüne in ihm eine Art pastoralen Propheten des Guten in der Welt. Prantl erinnert stets daran, wie der Mensch sein könnte, wenn er nicht so wäre, wie er nun einmal ist: affektbehaftet & schreckhaft, unvollkommen & triebhaft, im tiefsten Grunde archaisch & somit eben nur eingeschränkt verstandesbegabt. Daß Prantl zutiefst überzeugt ist von dem was er sagt & schreibt & seine Leser mit hohlem Pathos verschont, macht es sehr lohnenswert, sich an ihm abzuarbeiten. Im zeitgeistorientierten Meinungsjournalismus ist er ein Fels in der lauten opportunistischen Brandung & deshalb umso lesenswerter. Ich schätze ihn sehr, auch wenn ich ihm nicht allzu oft zustimmen kann.

Im Jahre 1994 nahmen wir in einem kleinen Studio in Hamburg einige Songs auf. Der Tontechniker war Metal – Fan, eine ziemlich brutale Platte namens Far Beyond Driven von der texanischen Band Pantera war gerade erschienen & auf Platz eins der Billboard Charts gelandet, erstmals in der Geschichte des Metal. In diesem Studio wurde ich vom Virus befallen. Pantera spielten ungeheuer kompakt, sehr tight, wie wir das so nennen & genau auf den Punkt. Das lag nicht zuletzt am unglaublich präzisen Spiel von Drummer Vinnie Paul & den beinharten Riffs seines Bruders Dimebag Darrel an der Gitarre. Gleichzeitig hatte das harte Geknüppel der Band einen fast swingenden Groove, die Herkunft aus dem Southern Rock war deutlich wahrnehmbar. Die Energie dieser Band bleibt nahezu unerreicht. Folgendes Video verdeutlicht dies sehr eindrücklich: https://www.youtube.com/watch?v=aDACorIaxNw   
Dimebag Darrell wurde nach der Auflösung von Pantera am 8. Dezember 2004 auf offener Bühne von einem wütenden „Fan“ erschossen. Am 22. Juni diesen Jahres nun verstarb auch sein Bruder Vinnie Paul. Obwohl ich ihn nicht kannte, oder irgendwie vielleicht ja doch; ich werde ihn vermissen.