Dezember 28

erste

Sieh, die zeit zieht sich zusammen
hier drinnen im zimmer,
erfundener freund du,
sie zwängt die tage bis sie ersticken.
Dies ist mein leben
und aus diesem tu ich dir schreiben.
Ich habe nichts anderes,
von mir geht nichts anderes aus.
Lies mich also. Bleib und sitz.
Im grunde frag ich nichts anderes
als angeschaut werden ins gesicht
und die augen die aufgerissenen.

Roberta Dapunt
aus dem Zyklus die engen begegnungen
aus dem Ladinischen, übersetzt von Versatorium
Folio Verlag Bozen

Katgeorie:Gedicht des Monats | Kommentare deaktiviert für erste
Dezember 21

Gedankensplitter VIII

Diese Ausgabe der Gedankensplitter ist Kevin Spacey gewidmet, einem der größten Filmschauspieler & Charakterdarsteller der letzten Jahrzehnte, zweifachem Oscar Gewinner, ausgezeichnet mit dem Golden Globe & dem British Film Award, dessen Leben & Werk durch Jahrzehnte alte unbewiesene Anschuldigungen denunziert wurde, weil es einem mediengeilen Pöbel & einer zutiefst verlogenen & heuchlerischen Industrie so gefallen hat. Sie sind ebenfalls gewidmet dem Dirigenten & Musiker James Levine, sowie dem Maler Balthus. Gleich Spacey sind sie die aktuellsten Opfer eines hysterischen, fanatisierten & paranoiden Netzwerk – Mobs, der als Floh im Pelz der Gesellschaft aufbegehrt & seinen Wirt zu immer neuen unbändigen Zuckungen zwingt.
Es wird darauf zurückzukommen sein.

 

Der Umgang mit der AfD nach der BT – Wahl fordert Antwort auf die offensichtliche Frage: Wer schützt die Demokratie eigentlich vor den Demokraten.

#i´mangry.

Umwelt & Klima sind existenzielle Fragen des Überlebens. Sie sind viel zu wichtig, um sie einem Bonusmeilenbetrüger & Balkonkiffer, sowie einer abgebrochenen Theologiestudentin zu überlassen. Selbstverständlich waren sie auch die ersten, die das ohnehin überaus fadenscheinige Mäntelchen angeblicher Überzeugungen & unverzichtbarer Inhalte an der Garderobe der Regierungsbeteiligung abgegeben haben.

Der Freakshow, die sich auf dem Balkon der Staatspolitischen Gesellschaft in Berlin versammelte, ist bereits jetzt wenigstens eines gemein: Die Verachtung des Wählers & des Landes. Daß ausgerechnet die FDP abspringt, war nicht vorhersehbar & überrascht. Honoriert werden wird es nicht.

Beste Nachricht zum Scheitern der Berliner Jamaika – Verhandlung: Cem Özdemir wird nun doch nicht Außenminister.

Toleranz verkommt zusehends zum Terror des Widernatürlichen.

Die gegenwärtige Treibjagd auf angeblich sexuell Übergriffige offenbart ein unerträgliches Maß an Heuchelei. Macht & Sex waren stets untrennbar miteinander verbunden & gereichten oft genug beiden Seiten zum Vorteil. Der neuerdings herrschende Vernichtungsimpuls gegen die vorgeblichen – natürlich männlichen – Täter beruht auf dem scheinbar allgemein akzeptierten Irrtum, Frauen könnten niemals Täter, sondern ausschließlich Opfer sein.

Unter #metoo stehen weltweit Frauen Schlange, um sich als angebliche oder tatsächliche Opfer sexueller Angriffe zu exponieren. Offensichtlich ist heutzutage jeder zeitgeistig – moralisch verbrämte Grund recht, sich öffentlich auszustellen.

Der Unterschied zwischen #metoo & der Heiligen Inquisition: bei Letzterer gab es ein reguläres Verfahren.

Ich bekenne, ich habe gesündigt. Ich habe seit Jahrzehnten wiederholt & fortgesetzt Frauen angesehen & dabei besonders auf ihre sekundären Geschlechtsmerkmale gestarrt – dezent natürlich, denn so bin ich erzogen – & je wärmer es wurde im Jahr, desto mehr habe ich gestarrt, ich kann einfach nicht anders. Daß ich dabei auch sexuelle Phantasien entwickelt habe, ist schlimm, aber scheinbar unvermeidlich. So könnte (m)eine Ohrenbeichte in der Katholischen Kirche lauten. Vielleicht müßte ich drei Rosenkränze beten. Doch, & das ist tröstlich, meine Sünde würde Gott vergeben. Das unterscheidet ihn von den inquisitorischen Hexenjägern des Asexuellen & ihrem hysterischen Verfolgungswahn.

Während tatsächlich & vorgeblich Betroffene allenthalben sexuelle Übergriffe – gerne jahrzehntealt & nicht nachweisbar – bejammern, finden die zahlreichen Claqeure dieser Hexenjagd an der Frühsexualisierung von Kindern ebenso wenig Verwerfliches wie an frei zugänglichen Pornoseiten im Netz. Der Unterschied: Sexualität & Macht sind anthropologische Konstanten, Frühsexualisierung & Internetporns mitnichten.

In einigen Stadtteilen von Paris, so die französische Philosophin Elisabeth Badinter in einem Interview mit der FAS vom 10.12.2017, sitzen keine Frauen mehr in den Cafe´s & schon die Fünfjährigen laufen verschleiert herum. Nicht verzeichnet werden konnte hierzu bislang der empörte Aufschrei der #metoo – Gemeinde, die offenbar muslimische vorzivilisatorische Frauenverachtung als kulturelle Eigenheit zu akzeptieren bereit ist.

Das Metropolitan Museum in New York (Met) soll ein Bild des französischen Malers Balthus abhängen, fordert auf #metoo sowie mittels einer online – Petition eine gewisse Mia Merrill. Durch das Bild, so Merrill, „romantisiere das Met den Voyeurismus“. Balthus war ein lebenslanger Teil der französischen Kunstelite, eng mit Picasso, Giacometti, Albert Camus & Jaques Lacan befreundet & ein Erneuerer & Impulsgeber der Malerei an der Grenze zwischen fortschreitendem Modernismus & klassischer Ästethik. Bislang weigert sich das Met, das Bild abzuhängen. Das von sog. linksliberaler Seite sekundierte Hexengekreisch scheint nun auch Wirkmacht im kulturellen Bereich zu beanspruchen. Vielleicht ist dies ja endlich ein Wendepunkt im Gewährenlassen pathologischer Vernichtungsphantasien. Erst brennen die Bücher, dann die Bilder, zuletzt brennen die Menschen, könnte man in Ergänzung eines Zitats von Heinrich Heine aus dem Jahr 1821 (!) hinzufügen.

Twitter statt Politik, die Welt in 140 Zeichen. Unterkomplexes Geplärre auf allen Ebenen: die Guillotine des 21. Jahrhunderts.

Die Hashtagsekten & die Befindlichkeitssoziopathen an den Unis eint vor allem eines: Wohlstandsverwahrlosung.

Wenn Bäume sich vom Tode bedroht wähnen, sei´s es durch andauernde starke Trockenheit oder übermäßige Nässe, neigen sie zur Angstblüte. Sie treiben dann Blüten parallel zu ihren Früchten. Dies ist, wie Botaniker sagen, ein Anzeichen von Panik. Das gleiche ist in dieser Gesellschaft zu beobachten, die Angstblüten tragen hier allerdings Namen wie #metoo, Willkommenskultur, Ehe für alle oder andere schöne Euphemismen, mit denen versucht wird, das Sterben eines fauligen Systems aufzuhalten.

Jede Zeitenwende hat laut kreischende Sekten hervorgebracht, die um Aufmerksamkeit buhlten & einen Erlösungs- & Heilsplan zumeist eher pathologischer Natur verkündeten. Fast alle nahmen allerdings ein schnelles & sehr unschönes Ende. Heutzutage schlagen Minderheiten im 0,0 ppm Bereich den Takt zu einem bizarren dekadenten Totentanz, bei dem niemand mehr abseits stehen möchte, der Macht & Möglichkeit hat, sich öffentlich zu äußern. Es wird höchste Zeit, die Trommelschläger endlich nachdrücklich vom Hof zu jagen.

Documenta XIV, Bücherparthenon

Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel – Hakim Ourghi, u.a. Mitbegründer der liberalen & unter Polizeischutz stehenden Berliner  Ibn – Rushd – Goethe Moschee, hat 40 Thesen zur Liberalisierung des Islam an die Tür der Neuköllner Dar – Assalam Moschee geschlagen. Er fordert eine Abkehr vom Buchstabenglauben & eine Diskussion über „die dunklen Seiten des Islam“, worunter er ausdrücklich Gewalt, Frauenunterdrückung, sowie die Verfolgung Andersdenkender versteht. Als erster Kritiker trat sofort der evangelische Pfarrer der Kaiser Wilhelm Gedächtnis Kirche, Martin Germer, auf & warf Ourghi „eine reine Publicity Show“ vor. Ab welchem Stadium ist Selbsthass eigentlich unheilbar ?

Der alljährliche Streit um den Zwarten Piet in den Niederlanden ist ein Beispiel für den manischen Bekehrungsfuror xenophiler Gutmenschen, der sich gegen alles Traditionelle & Althergebrachte richtet, was die einheimische Kultur, der sie selbst angehören, hervorgebracht hat.

Zu den bildungsfernen Schichten zählen heutzutage auch die meisten Oberstufenschüler.

„Der Mensch wird es sich zur Aufgabe machen,“ schrieb der russische Bolschewik Leo Trotzki im Jahre 1924, „der Bewegung seiner eigenen Organe höchste Klarheit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und damit Schönheit zu verleihen, er wird sich zum Ziel setzen, einen höheren gesellschaftlich – biologischen Typus und, wenn man so will, den Übermenschen zu schaffen“. Leider konnte & wollte der Mensch sich nicht fügen. Selbst die Vernichtungsmaschine von Gulag, Zwangsarbeit, Deportation, Massenerschießungen, Vernichtungsjustiz, Terror & Hunger machten aus dem alten Menschen keinen neuen. Sichtbar wird allein die menschenverachtende Hybris der Linken, deren behauptete humanistische Absicht von ungeheuren Leichenbergen bedeckt wurde. Die letzten Zuckungen dieses Systems sind in Venezuela & Kuba zu beobachten. & in der Linkspartei.

Die Vorgänge auf der Frankfurter Buchmesse, bei denen sich ein grölender randalierender Mob gegen die Stände des Antaios– &  Manuscriptum Verlags richtete, Lesungen & Diskussionen verhinderte, sowie Bücher zerstörte & entwendete, zeigt vor allem eines: Die Linke ist weder gewillt, noch in der Lage, der Rechten argumentativ standzuhalten, sie hat zu den Problemen des Landes keinerlei sinnvolle Beiträge zu leisten & ist geistig & inhaltlich bankrott. Die Flucht in angeblich moralisch begründbare Gewalt offenbart ihre ganze leersinnige Armseligkeit & ihr Scheitern vor der Geschichte. Aber 100 Millionen Tote begründen eben auch eine Tradition.

„Mit Rechten reden“ ist der Titel eines aktuellen Buches, welches vorgibt, die Argumentationsmuster „der Rechten“ zu analysieren & aufzuzeigen, wie sie zu unterlaufen sind. Wenn´s dann ernst wird, kneifen nicht nur die Autoren, sondern alles sich links nennende. Man wolle „den Rechten“ keine Bühne bieten, heißt es stets. Warum auch, wenn selbst man nichts zu sagen hat.

Daß Jerusalem die Hauptstadt Israels ist, bedarf eigentlich keiner weiteren Erwähnung & steht nicht zur Disposition. Das Gejammer darüber ist zum Einen Teil des internationalen wohlfeilen Antisemitismus, zum Anderen der aus diesem ständig neu erwachsenden Umkehr der Verhältnisse, nach der Israel als Kolonialmacht am Pranger steht & arabische Terroristen zu Freiheitskämpfern mutieren. Während Israel, oder auch die USA beschuldigt werden, den Friedensprozeß zu gefährden, will niemand zugeben, daß dieser längst beerdigt worden ist. Mit einer Volksgruppe, die unverbrüchliche Feindschaft geschworen hat, kann kein Frieden möglich sein. Daran werden auch weitere Hunderte Millionen europäischer Steuergelder nichts ändern, die in den sog. Palästinensergebieten alles zum Besseren wenden sollen & zu großen Teilen auf schweizerischen Nummernkonten korrupter Funktionäre landen oder die Waffenlager der Terroristen füllen helfen.

Gerne verschwiegen wird der Umstand, daß „die Palästinenser“ einen eigenen Staat, der ihnen dreimal angeboten wurde (1947 von der Uno,1967 von Israel nach dem Sechstagekrieg & im Jahre 2000 bei den Verhandlungen in Camp David) stets abgelehnt haben, & daß die von Israel besetzten Gebiete direkte Folge diverser arabischer Angriffskriege gegen Israel sind.

Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Alter von bis zu drei Jahren lag im Jahre 2008 – also lange vor der Masseninvasion des Jahres 2015 – in Frankfurt / Main bei 71,7 %, in München bei 61,4 & in Hamburg bei 47,7 %. Andere Modellrechnungen wie der Anteil der Viertklässler oder der Generationenfolge von Eltern im Jahre 2016, 30,2 % bis zu deren Urenkeln, 65,3 %, bestätigen dieses Bild. Quelle: Statistische Ämter des Bundes & der Länder, Mikrozensus, sowie IQB Bildungstrend 2016.

Sogenannte Demokraten, Vertreter der sich selbst offen nennenden Gesellschaft & Linke finden nichts dabei, Existenzen zu vernichten & Menschen der sozialen Ächtung preiszugeben, solange es im Dienste irgendeiner von ihnen als gerecht oder gut erkannten Sache geschieht. Dabei handelt es sich vornehmlich um einen Ismus, der gerade zu bekämpfen ist. Beweise sind nicht notwendig, der Verdacht & die Denunziation erweisen sich als vollkommen ausreichend. Diese Leute gefallen sich in der Trias als Ankläger, Richter & Henker.

Die allgemeine Neigung, die Regeln sozialen Zusammenlebens zu mißachten & für sich als inexistent anzusehen, geht einher mit dem stetig wachsenden Verzicht des Staates & seiner Organe, sie einzufordern & durchzusetzen. Beides trifft auf eine desinteressierte sog. Schweigende Mehrheit, die, desillusioniert & eingeschüchtert einerseits, sediert & selbstzufrieden andererseits, vor allem eben eines tut: schweigen.

Je offensichtlicher sich die Landnahme durch den Islam ausbreitet, je mehr verschwindend geringe Minderheiten zum Gegenstand eines angeblich gesamtgesellschaftlichen Interesses erhoben werden & je weiter die Ausbreitung des Widernatürlichen sich Selbstverständlichkeit auf vorgeblich wissenschaftlicher Grundlage anmaßt, desto entschiedener & wütender wird die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Dieser Wut ist das Eingeständnis des Irrtums inhärent.

Documenta XIV, Fridericianum, umbenannt

Diejenigen, die die Auswüchse des enthemmten Liberalismus mittlerweile als oberstes moralisches Menschengebot definieren & zur alternativlosen Staatsdoktrin erheben, bewegen sich auf dünnem Eis. Sie sehen die Risse nicht, die sich längst gebildet haben, hören nicht das Knacken sich ständig vertiefender Brüche, während sie sich in triefender Selbstgerechtigkeit ergehen. Ihr Einbrechen wird schnell & schmerzvoll sein. Viele, die ihren Geist der trügerischen Hypermoral geopfert haben, werden vielleicht noch versuchen, sich in den Opportunismus zu flüchten. Sie werden allerdings als Gebrandmarkte Demut lernen. Zu befürchten ist höchstens, daß diese Aussicht im Moment noch ein wenig zu optimistisch erscheint.

Die Documenta XIV zeigte in weiten Teilen zeitgenössische Kunst als einen Eklektizismus des  Banalen, selbstreferenziell & rückwärtsgewandt. Das Werk verschwindet vollständig hinter seinem Titel & der behaupteten Intention.

Kassel ist Documenta – Stadt. Die Geschichte der Ausstellung hat diese Stadt allerdings wesentlich weniger geprägt, als es den Anschein haben mag. Daran ändern auch die zahlreichen künstlerischen Hinterlassenschaften nichts, die von den Documenta – Ausstellungen im öffentlichen Raum zurückblieben.

Am Königsplatz, dem zentralen Ort der Stadt, einem großen Rund mit Einkaufszentrum, Brunnen & den üblichen Filialisten, bezeugen nur noch die Häuserfassaden einfallsloser Nachkriegsarchitektur, daß man sich nicht im osmanisch – arabischen Raum befindet. Es gibt wohlmöglich auch hier noch Menschen, die dies als kulturelle Bereicherung mißverstehen wollen.

Am späten Nachmittag fahren Mannschaftswagen der Polizei am Rande des Platzes auf. Wir erfahren, daß es neuerdings nahezu täglich zu Übergriffen, Schlägereien & Straftaten durch & zwischen sog. Jugendbanden nichtdeutscher Herkunft kommt, denen das Polizeiaufgebot geschuldet ist. Deutlich wahrnehmbar verändert sich mit bevorstehender Dämmerung das Klima, die Mannschaftswagen setzen sich in Bewegung, mal langsam, mal mit Blaulicht. Ein bizarres Katz & Maus – Spiel beginnt. All dies war vor fünf Jahren, zur Documenta XIII, unbekannt.

Mitten auf dem Königsplatz ist ein Obelisk Teil der diesjährigen Ausstellung. Der Nigerianer Olu Oguibe hat ihn mit einem Zitat aus dem Matthäus – Evangelium beschriftet. „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ – in Deutsch, Türkisch, Englisch und Arabisch. Drumherum sitzen jugendliche Leistungsbegehrer muslimischer Herkunft. Ist das Kunst, Blasphemie oder Propaganda?

In der Documenta – Halle am Friedrichsplatz sind Teile gekenterter Flüchtlingsboote ausgestellt. Mit Glöckchen & anderem Tand behängt & mit Klaviersaiten bespannt sind sie Teil einer bizarren Inszenierung, die den linken Deutungsimperativ ins Unmenschliche verzerrt.

Auf dem Fridericianum wurde der Name durch die Aufschrift SAVEISSCARY ersetzt – Sicherheit ist erschreckend – & man fragt sich, wann die genuine Menschenverachtung der Linken plakativer hervortrat. Vorschlag; Adam Szymczyk erklärt einem Bootsflüchtling, daß Sicherheit erschreckend sei. Das Video hierzu wird auf der Dokumenta XV gezeigt.

Zitat aus dem sog. Reader zur D XIV: „Ein Name ist eine Schuld. Der Staat ist eine Maschine, die geschlechtliche Wahrheit fabriziert, und ich bin ein Bettler.“ Die begeisterte Auflösung sämtlicher anthropologischer Konstanten – noch so ein geistesferner Irrtum der Linken – führt nicht zur seelenvollen Befreiung in paradiesische Zustände, sondern zur Auflösung des Sozialen an sich. Damit hätte die Linke endlich das Gegenteil von dem erreicht, für das sie einst zu stehen vorgab. Erschütternd die Dummheit, mit der sie die Thesen Didier Eribon´s aus „Rückkehr nach Reims“ beflissentlich & umfänglich bestätigt.

Daß Geld entbehrlich sei, solange es nicht das eigene ist, zeigt das sieben Millionen Euro Defizit, mit dem die D XIV abschließt. An das Versagen sog. Aufsichts- & Kontrollgremien hat man sich mittlerweile zu gewöhnen, in Berlin & Brandenburg genauso wie in Stuttgart, so eben auch in Kassel. Nach Athen sei das Geld geflossen, hört man, in das Museum, das sich den gescheiterten D XIV Kurator Szymczyk als künftigen Direktor ins Haus holt, wie gesagt wird. Dieser hat mit dem Defizit keine Probleme, denn Schuld habe die Politik, die hätte schließlich gewußt, daß es teuer wird. So einfach ist das. Linksradikale scheitern nie an der Wirklichkeit oder sich selbst, sondern immer an den widrigen Umständen.

Wer Erholung vom überwiegend erbärmlichen Politzirkus der Documenta XIV sucht, fährt mit der Straßenbahn auf die Wilhelmshöhe & besichtigt im dortigen Schloß die umfängliche & exquisite Gemäldegalerie mit einer Vielzahl holländischer Meister wie Rubens, Van Dyck, Rembrandt, Ruisdael u.A. Nach dem überwiegend lächerlichen Tand in der Stadt eine Offenbarung.

Ist die SPD Partei am Abgrund, oder bereits im freien Fall? Zerrieben zwischen CDU auf der einen & Linkspartei & AfD auf der anderen Seite. Ist sie programmatisch entkernt, personell inkompetent, ohne Richtung? Ohne Mut, ja, & ohne Idee. Die Partei der Studienräte, Uni – Professoren, Verlagslektoren & Gewerkschaftsfunktionäre. Die Parteigarde, z.T. Jahrzehnte in der Führung vertreten, weiß nicht mehr weiter, der Vorsitzende hat versagt, die Wähler flüchten. Nein, diese Partei dient nur noch Fr. Merkel  als Mehrheitsbeschaffer. Sonst bedauerlicherweise wohl niemandem. Ist das jetzt eine heimliche, bitter enttäuschte alte Liebe? Vielleicht. Vielleicht auch gewiß. Aber war das eine andere Partei, eine andere Zeit & ein anderes Land?

Die SPD, so der EU – Funktionär Martin Schulz, müsse wieder zum Sprachrohr der sog. Kleinen Leute werden, sie habe ihre Glaubwürdigkeit verloren & werde als Teil des Establishments wahrgenommen. Die richtigen Forderungen hat er auch schon: EU – Bundesstaat bis 2025 & keine Obergrenze für sog. Flüchtlinge, sowie unbeschränkten Familiennachzug. Die Entrücktheit, der umfassende Realitätsverlust & die Lernresistenz dieser Leute ist dramatisch & besorgniserregend. Oder einfach nur lächerlich.

Eine Idee des Magazins Cicero aufgreifend, sei folgendes Loriot – Zitat an dieser Stelle Martin Schulz in den Mund gelegt: „Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, daß die Fragen des Umweltschutzes, und ich bleibe dabei. Wo kämen wir sonst hin? Wo bliebe unsere Glaubwürdigkeit? Eins steht doch fest: Und darüber gibt es keinen Zweifel. Wer das vergißt, hat den Auftrag des Wählers nicht verstanden. Meine Damen und Herren, soziale Gerechtigkeit als erste Verpflichtung. Wir wollen nicht vergessen, draußen im Lande, hier und heute stellen sich die Fragen, und damit möchte ich schließen. Letzten Endes, wer wollte das bestreiten? Danke“.

Sog. Demokraten, Linke & Gutmenschen haben sich, von den gängigen Medien lebhaft unterstützt, angewöhnt, Kritiker des Bestehenden, mit der Endung …phob zu diffamieren. Das bedeutet, sie halten Menschen, die sich ihren Imperativen widersetzen oder nicht vorbehaltlos fügen, für krank & behandlungsbedürftig. Phobien sind behandlungsrelevante Angststörungen, die letztlich auf einer Fehlwarnehmung der Wirklichkeit beruhen. Ein angenehmer Nebeneffekt: Eine auf Angststörungen beruhende Meinung ist sachlich & realitätsbezogen nicht diskutier- & debattenfähig.

Dokumenta XIV, Orangerie, „Blutmühle“ (Photo: Heidrun Scholz)

Der, die nicht erkennen kann, was sie hätte anders machen sollen, muß ein Treffen mit Terroropfern & Hinterbliebenen durch öffentlichen Druck abgerungen werden. Das ist kein Versäumnis, das ist die überaus zynische Variante des Todschweigens dessen, was als Folge der eigenen illegalen Selbstermächtigung geschehen mußte. Der Satz, das Land war darauf nicht vorbereitet, eine unerträgliche politische Bankrotterklärung & der untaugliche Versuch, von eigener Schuld abzulenken.

Zum Schluß, um das Jahr doch noch ein wenig versöhnlich zu beenden, mit einigen Empfehlungen des Schöngeistigen. Die schlimmsten Feuilletonrubriken sind die des Jahresbesten. Wer will das nach welchen Kriterien entscheiden wollen ? Ich mach´s hier trotzdem, & auch nur, weil die Lage eindeutig ist:

Die erste Empfehlung ist sogar noch aus dem dem letzten Jahr, 2016, nämlich die Platte Birdwatching der israelischen Pianistin Anat Fort & ihrem seit 15 Jahren bestehenden Trio mit Gary Wang am Baß & dem Schlagzeuger Roland Schneider. Diesmal ebenfalls mit dabei ist der italienische Klarinettist & Saxophonist Gianluigi Trovesi. Die Musik lebt von der Reduktion auf die Eckpunkte einer von den Musikern durchdachten Konstruktion. Die innere Ausgestaltung kann so Geist & Ohr des Zuhörers überlassen werden. Daß dies keinesfalls zu esoterisch anmutender Beliebigkeit führt, sondern in jedem Moment sehr spannend klingt, zeugt von der überragenden musikalischen Qualität & Spielkultur dieses Trios, das stets leicht & schwebend daherkommt. Trovesi soliert dazu kontrolliert & überwiegend frei von bläserischen Manierismen. Eine Platte für geistvolle Zuhörer, & beim Label ECM in der dort herrschenden Klangkultur bestens aufgehoben.

Der junge polnische Dirigent Krzysztof Urbanski hat zusammen mit der russischen Pianistin Anna Vinnitzkaya das zweite Klavierkonzert von Sergej Rachmaninov aufgenommen. Urbanski dirigiert in seiner Funktion als Erster Gastdirigent das NDR Elbphilharmonie Orchester. Dieses Stück mit seinen wunderbaren Melodien galt Vielen stets als parfümierte Salonmusik, besonders sog. Kritikern. Urbanski & Vinnitzkaya revidieren dieses Vorurteil auf das Vortrefflichste. Die Diktion bleibt stets kernig, frei von überflüssigen Romantizismen, allerdings ohne gewollt anders zu klingen, wie es der leidige Kollege aus Perm im fernen Sibirien zur Verzückung der Kritikergilde so gerne vorführt. Zu dieser Auffassung gehört auch, daß das Schöne umso deutlicher hervortritt, je weniger man sich bemüht, es zu betonen. Eine souveräne, klanglich hervorragende Produktion einer kongenialen musikalischen Partnerschaft.

Die Platte des Jahres ist für mich allerdings The End von Black Sabbath. Das Abschiedskonzert vom 4. Februar 2017, mittlerweile in Bild & Ton erschienen, ist ein Dokument der Lebensleistung einer Band, die wie keine andere bis heute das Genre des Metal nicht nur begründet hat, sondern immer noch unerreichtes Vorbild Hunderter junger Bands geblieben ist. Wie beim sensationell gut gelungenen Reunion – Album 13 von 2013 fehlt bei der Originalbesetzung lediglich Drummer Bill Ward, mit dem man sich scheinbar nicht einigen konnte. Am Schlagzeug sitzt hier Tommy Clufetos, der bereits öfters mit der Band gespielt hat & zu Ozzy Osborne´s Tourband gehört. Zu hören ist Musik, der jede sog. Altersmilde fehlt. Unglaublich tight & fett ergießen sich die Songs wie flüssiges Blei in kaltstählerne Formen. Keine Schnörkel, kein Getue, keine Gimmicks – einfach nur Musik. Unerreicht & bewegend!

Es gibt es manchmal eben doch, das Buch des Jahres, & es ist meilenweit entfernt von dem staatstragenden, moralinsauren & selbstreferenziellen Bekenntniskitsch der Zeh´s, Menasse´s u.a. hochgelobter Literaten. Tyll von Daniel Kehlmann ist nichts weniger als ein Meisterwerk & zeigt in seiner sprachlichen Größe, Differenziertheit & Komplexität, seiner Personenzeichnung & seinem formalen Aufbau, was Literatur zu leisten vermag. Dabei verdeutlicht es auch die öde sprachliche & intellektuelle Leere dessen, was heutzutage als deutschsprachige Literatur außerhalb weniger unbeachteter Nischen auf den Markt geworfen wird. Die Verknüpfung der fiktiven Person Eulenspiegel mit dem historischen Kontext des Dreißigjährigen Krieges ist ein sprachliches & intellektuelles Abenteuer, welches den Leser in den Sessel zwingt & berührt zurück läßt.

P.S. Für die Freunde der Flimmerkiste – beste TV Serie auch in 2017: natürlich Game of Thrones.

 

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