Mai 10

Gedankensplitter vier

. . .  oder die Liebe zur Geometrie  . . . 

In einem Artikel über die deutsche Gegenwartsliteratur & ihren sie prägenden Hang zur sog. politischen Korrektheit zitiert Thorsten Hinz in der JF v. 18. März 2016 Botho Strauß aus dessen Essay Anschwellender Bocksgesang mit dem Passus: „Die Würde der bettelnden Zigeunerin sehe ich auf den ersten Blick. Nach der Würde ( . . . ) meines deformierten, vergnügungslärmigen Landsmannes in der Gesamtheit seiner Anspruchsunverschämtheit muß ich lange, wenn nicht vergeblich suchen.“ Sodann verweist Hinz auf Oswald Spengler & den vom ihm beschriebenen kulturmorphologischen Degenerationsprozeß. Ich finde, es bedarf nicht allzu ausgeprägter Phantasie, diesen in den gängigen Talkshows, der Bundespressekonferenz & in den Interviews der Funktionseliten nachzuvollziehen. Allerdings auch in Einkaufszentren & in Bildungseinrichtungen. Aber darüber wird nicht geschrieben.

Der preisgekrönte algerische Schriftsteller Kamel Daoud sieht sich scharfen Angriffen der französischen Elite ausgesetzt. Zuletzt warf ihm eine Gruppe von 19 Wissenschaftlern „antihumanistische Überzeugungen“ vor. Er hatte nach der Kölner Sylvesternacht vor Konflikten zwischen den Kulturen gewarnt, dem arabischen Mann ein „gestörtes Verhältnis zur Frau“ bescheinigt & darauf hingewiesen, daß der syrische Flüchtling seine Kultur & seine Überzeugungen mit hierher bringt. So entlarven sich die vorgeblichen humanistischen Überzeugungen gewisser Leute als Ausdruck suizidaler Dekadenz.

Meine Heimat sind die Orte der inneren Emigration.

Glück & Frieden ist die Hoffnung der Einsamen & Verzweifelten, Gerechtigkeit die der zu kurz Gekommenen.

Schreiben macht nicht glücklich & es schafft keinen Frieden. Schreiben befreit & macht dadurch das Leben erträglich.

Sich einrichten jenseits der Gewißheiten, loslassen, was einst lieb & wichtig war, die Einsamkeit lernen.

Wenige Stunden nach den Anschlägen in Brüssel twittert die Co – Vorsitzende der Jungen Grünen im Schweizer Kanton Luzern, Irina Studhalter, sie „ . . .  habe Angst. Nicht vor Terror oder dem Islam, sondern vor der rechtspopulistischen Hetze, die nun folgen wird.“ Damit bewirbt sie sich unzweifelhaft  für Höheres in ihrer Partei. Nachträglich rechtfertigt sie sich, sie „ . . .  habe die Opfer nicht verhöhnt. Ich bin Pazifistin.“ Vorschlag: statt Soziologie & Politikwissenschaft zu studieren, wäre Sprachwissenschaft zur Erlangung semantischer Grundkompetenzen hier wohl die bessere Wahl.

Ein gewisses Maß an Arroganz schützt vor den Zumutungen der Dummheit.

Meine Mutter pflegte anlaßbezogen folgenden Satz: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. In einem mit „. . . Fassungslos, B.“ unterzeichneten Brief an Margot Käßmann antwortet Henryk M. Broder in der Schweizer Weltwoche auf deren Interview in der Bild am Sonntag, in dem sie äußerte, daß wir versuchen sollten, „ . . . den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen.“ Er schließt mit den Worten: „Verraten Sie mir bitte: Wie wird man mit solchen Obszönitäten zu einer moralischen Instanz?“ Es darf gestaunt werden, mit welchem Moralfuror gerade die protestantischen Kirchenvertreter gegenwärtig die sog. Willkommenskultur mit passenden Bibelstellen zu rechtfertigen suchen. Den dramatischen Mitgliederschwund wird dies allerdings eher noch befeuern.

Museum am Kiekeberg
Museum am Kiekeberg

Gegenwärtig erleben wir, besonders im ö.r. Fernsehen, wie aus sog. Experten & vorgeblichen Wissenschaftlern Gesinnungsclaqeure werden, die den moderierenden Stichwortgebern des herrschenden medial – politischen Komplexes ein als seriös daherkommendes fachliches Alibi liefern. Zu anderen Zeiten, in einem zu Recht untergegangenen kleinen eingemauerten Land, wurde dies beim richtigen Namen genannt: Propaganda.

Hüten wir uns vor den Lügen. Besonders vor denen über uns selbst, die wir nur zu bereitwillig  glauben.

Mit welchem Recht & auf welcher Grundlage gilt Linkssein als intelligent, schick & fortschrittlich, Rechtssein hingegen als rückwärtsgewandt & dumm. Abgesehen davon, daß „Rechts“ absurderweise immer noch mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt wird, ist es vor allem die Leichtigkeit der Realitätsentsagung vor allem derjenigen, die mit den Problemen, deren Lösung sie selbstgewiß propagieren, am wenigsten zu tun haben. Von den Problemen, die sie selbst erst geschaffen haben, reden sie nicht, weil sie diese wiederum für einen Teil der Lösung halten.

Diejenigen in den Systemparteien, die voller Haß nach links & rechts blicken & abschätzig von gefährlichen Populisten sprechen, vergessen, daß man seinen Kindern Respekt & Achtung schuldet.

Ei, was für ein Tableau, Dürrenmatt hätte es für seine bitterbösen Komödien nicht besser erdenken können. Ein lächerlicher neo – osmanischer Operettendespot mit fortgeschrittener narzistischer  Persönlichkeitsstörung. Eine Physikerin als Kanzlerdarstellerin, die ihre Heimat offensichtlich haßt, & eine mimosenhafte selbstverliebte, zum Medienliebling aufgeblasene Sprechpuppe, die austeilen kann, aber nicht einstecken will & deren Reputation bei den medialen Claqeuren angesichts drohender rechtlicher Ungemach ins Wanken geraten könnte. Da verzichtet die Sprechpuppe doch lieber gleich ganz auf die Entgegennahme des ohnehin fragwürdigen Grimme – Preises, gibt sich verstört, sagt ihre Sendung ab & verschwindet. Welch eine Konstellation. Die Pointe, nämlich die Sprechpuppe trotz allem entschieden gegen die widerwärtige Seilschaft aus Operettendespoten & Kanzlerdarstellerin verteidigen zu müssen, ist wahrlich bitter genug. Aufgeführt wird das Ganze in einem morschen wurmstichigen & vom Zerfall bedrohten Schmierentheater vor träge vor sich hindämmerndem dekadenten Publikum. Schade, daß Dürrenmatt bereits gestorben ist.

Der Sprachsoziologe Ulrich Ammon bemängelt, daß immer mehr wissenschaftliche Texte in Deutschen Archiven & Universitäten ohne jede Not ins Englische übersetzt werden, auch solche, die im Original unverzichtbar sind, wie z.B. die philosophischen Klassiker von Schopenhauer, Kant oder Nietzsche. Heraus kommt allzu oft ein jämmerliches Pidgin – Englisch, welches dem komplexen Inhalt nicht annährend gerecht wird. Gleichzeitig werde an immer mehr Sprachfakultäten an der Herausarbeitung einer sog. Kanak – Sprak gearbeitet, einem Mischmasch aus arabisch / türkischen Brocken & Kiezsprache, welches die deutsche Hochsprache ersetzen soll. Dies gehört zu den zahlreichen Ideen, an denen, zumeist im universitären Rahmen, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit & steuerfinanziert, an der Abschaffung von deutscher Identität gearbeitet wird. In einer Zeit, in der große Teile der vorgeblichen geistigen Elite dieses Landes Begriffe wie Geschlecht, Heimat, Familie & Identität als „Konstrukte“ bezeichnet, die durch eine Veränderung des reaktionären Massenbewußtseins von selbst verschwinden würden, ist dies keine sonderliche Überraschung. Man kommt sich ein wenig vor wie im Muppet – Labor, wo die Zukunft bekanntlich bereits heute entsteht. Nur, das war lustig. Am Ende allerdings flog immer alles in die Luft.

Museum am Kiekeberg, alte Schmiede
Museum am Kiekeberg, alte Schmiede

Die sog. offene Gesellschaft dient dem Staat dazu, sich seiner Kernaufgaben nach & nach zu entledigen. Die im Offenen Lebenden hingegen wähnen sich frei & unabhängig. Beides ist Lüge wie Irrtum.

Dekadenz ist ein Zustand, der dem Ahnungslosen das Gefühl gibt, alles richtig gemacht zu haben.

In unserer Stadt gibt es seit Jahrzehnten einen kleinen umtriebigen netten Plattenladen, Schwerpunkt Vinyl. Das Geschäft ist ein Bollwerk gegen die Großmärkte & ein Hort des Abseitigen. Dort fragte ich nach einer DVD Box der Böhsen Onkelz, woraufhin mir bedeutet wurde, ich sei hier falsch, hier gäbe es keine Onkelz. Als ich freundlich nachfragte, ob die Diskussion, die diesem Umstand zugrunde liegt, nicht seit 1985 erledigt ist, entspann sich eine sehr höfliche & wertschätzende kleine Unterhaltung. Es sei ihm natürlich klar, daß die Onkelz keine Nazis seien, aber er habe keinen Bock auf die Fans, solche Leute wolle er nicht in seinem Laden haben. Auf Nachfrage, sie seien stellenweise ziemlich unangenehm. Außerdem würden die Onkelz, genau wie Frei.Wild, die ja auch keine Nazis seien, ein Wir – Gefühl schaffen, daß sie zu verfolgten Außenseitern mache, die gegen die Welt anrennen müßten, um sich zu behaupten. Das erlebe ich jeden Samstag im Stadion auch. Was denn dabei also das Problem sei, wollte ich wissen, es herrsche dann ja offensichtlich auch ein Gefühl für politische & soziale Mißstände. Die Analyse sei aber falsch, man beklage zwar das hier & dort fehlende Geld, aber die wahren Gründe verschweige man, wie man ja aktuell an den Panama – Papers sehen könne. Ob sich denn die Onkelz dazu geäußert hätten ? Natürlich nicht. Aber eben das sei eine unpolitische Haltung. Ob denn die richtigen Analysen nur von Links kommen können, wollte ich wissen. Das links / rechts – Schema halte er für überholt. Sorgen mache ihm, daß die rechten Sichtweisen sich immer mehr in die Mitte verschieben. Aha, also doch. & man sei sich im Laden einig, sowas wolle man nicht. Das sei Stand der Diskussion. Ich sage, auch wenn´s grad zu meinem Nachteil sei, fände ich es grundsätzlich gut, wenn ein Laden sagt, dies oder das will ich nicht. Man verabschiedet sich freundlich. Beim Rausgehen denke ich, das dies mit Politik nichts zu tun hat, sondern mit einem tief sitzenden Festhalten am Ressentiment. Das ist nun allerdings tatsächlich sehr links.

Schmerz heißt der Grenzfluß zwischen Lüge & Wahrheit.

Man sollte Böhmermann vielleicht doch an Erdogan ausliefern. Nicht wegen der Satire im Allgemeinen, oder weil sie gar einzuschränken oder zu verbieten wäre, sondern als Strafe für die Qualität seines Geschmieres, die so schlecht ist, daß man sich bei der zweifelhaften Lektüre für´s Lesen schämt & für den Autor fremdschämen muß.

Chapeau ! Marlene Halser hat es geschafft, in der taz (!) v. 2o.6.2014 einen sichtlich um Objektivität bemühten Artikel über den Erfolg der Böhsen Onkelz zu schreiben. Das war nicht immer so. Im Jahre 2001 feierte sich die taz dafür, erfolgreich gegen eine einstweilige Verfügung geklagt zu haben, mit der ihr untersagt worden war, die Onkelz eine rechtsradikale Band zu nennen. Begründung für die Aufhebung dieser Verfügung war, daß sich die Onkelz allein durch die Beibehaltung ihres Namens eben nicht hinreichend von ihrer Vergangenheit distanziert hätten. Nachdem der Obergrüne & spätere Außenminister Josef Fischer wegen versuchten Mordes & Bildung einer terroristischen Vereinigung festgenommen & in U – Haft verbracht wurde, weil er u.a. nachweislich Polizisten verhauen hatte (1973) & an Molli – Würfen beteiligt gewesen sein soll (1976), hat er auch abgeschworen. Seinen Namen allerdings hat er behalten. Demnach ist davon auszugehen, daß er weiterhin mit seinen Taten & der ihnen zugrunde liegenden Einstellung einverstanden ist. Davon steht allerdings nichts im grünen Parteiblatt. Nun hat Fr. Halser  ihren eigenen, sowie den Kollegen von SZ, Spiegel u.v.a.m. voraus, etwas von ihrem Job zu verstehen.

Die Kanzlerdarstellerin hat gedacht, sie hat den Operettendespoten unter Kontrolle & eingebunden. Jetzt zeigt dieser mit der Ausweisung des ARD Korrespondenten Volker Schwenk, an welchem Ende der Leine sich die Kanzlerdarstellerin befindet. Daß der türkische Botschafter einbestellt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Einspruch ! Daß The Artist formerly known as Prince, wie er sich selbst eine Zeitlang nennen ließ, so früh verstarb, ist menschlich sicherlich sehr tragisch. Soweit natürlich auch mein Mitgefühl. Musikalisch allerdings ist er einer der größten Hypes, die in den letzten Dezennien inszeniert worden sind, Purple Rain einer der furchtbarsten Songs, die ich jemals zur Kenntnis nehmen mußte & das Konzert im St. Pauli Stadion im Jahre 1988, in das ich mich durch den damals unvorstellbaren Hype unvorsichtigerweise locken ließ, das mit Abstand Langweiligste, was ich nach Barclay James Harvest je gesehen habe. Prince ist ein wohlfeiles Beispiel dafür, wie kritiklose Schreiberlinge, sich selbst gerne zu Fachjournalisten aufwertend, ihr eigenes eingebildetes Hip – Sein zum Qualitätsimperativ erheben.

In jeder Zeitung muß man dieser Tage persönliche Erlebnisse, eigene Hitlisten & kitschige Betroffenheitsadressen von Journalisten zur Kenntnis nehmen, die der Tod von Prince ganz offensichtlich persönlich zutiefst getroffen hat. Warum bloß. Wahrscheinlich waren die in den 80ern & 90ern willige Gläubige, die dem unentrinnbaren medialen Geschmacksimperativ Das –  mußt – du hören – der – Mann – ist – ein – Genie keine Ohren entgegenzusetzen hatten. Wahrscheinlich glauben sie tatsächlich, der Gitarrenkrach bei Purple Rain habe irgend etwas mit Jimi Hendrix zu tun. Demzufolge ist klar, daß die Würdigung tatsächlicher musikalischer Genies hintan stehen muß.

Islam I:  Islam bedeutet im arabischen Wortstamm Unterwerfung. Ob damit die Unterwerfung der Gläubigen unter Gott oder die der Ungläubigen unter den Islam gemeint ist, ist eigentlich keine  Ansichtssache mehr.

Islam II:  Der Kölner Kardinal Woelki sagt Ja zum Minarett & redet eifrig mit Islamvertretern. Ob er auch darüber redet, daß es in islamischen Ländern keine Kirchtürme geben darf, ist nicht bekannt.

Islam III:  In einem katholischen Krankenhaus in Herford wird eine islamisch vermummte Frau behandelt. Ihr Mann reißt mit Hilfe von mitgebrachtem Werkzeug das Kreuz von der Wand mit der Begründung, daß er sich als Moslem vom Kreuz beleidigt fühle. Es scheint ein wesentlicher Aspekt von sog.  Integration zu sein, daß „wir“ so etwas hinnehmen, was zu der Frage führt, wer hier wen integriert.

Musikhalle Hamburg, Treppenhaus
Musikhalle Hamburg, Treppenhaus, Photo: Heidrun Scholz

Die selbstverliebte Sprechpuppe Böhmermann, Aushängeschild des, wie Herr K. sagen würde „intellektuellen Pöbels“, hat sich in einem ZEIT – Interview vom 4.5.2016 tatsächlich mit Ai Weiwei verglichen. Nach kurzem Nachdenken über den klitzekleinen Unterschied an internationaler Wahrnehmung muß ich sagen, er hat eigentlich Recht. Beide dienen sich als politische Projektionsfläche an & beide werden maßlos überschätzt.

Die Kränkungen, die uns zugefügt werden, vergessen wir selten. Die, die wir anderen zufügen, sind in der Regel deren Sache.

ARD Presseclub vom 24.4. Alle sind sich kopfnickend einig, daß an diesem Tisch niemand „der Politik“ zutraut, eine tiefgreifende Rentenreform zuwege zu bringen.

Der Justizminister, der alerte omnipräsente Herr Maas, hat eine Zensur- & Denunziationsinitiative gegründet. Organisationen der sog. Zivilgesellschaft (also der Gemeinschaft all derjenigen Gutmenschen, die angetreten sind, das Land von seiner – leider schweigenden – Mehrheit zu befreien, um eine identitätslose Eineweltgesellschaft zu erschaffen) sollen facebook & andere sog. soziale Medien durchforsten & auch sonst alles melden, was der Initiierung der Eineweltgesellschaft entgegen steht. Kritik wird nicht geduldet, Konsensabweichung bekämpft. Man nennt das heute gerne Kampf gegen Rechts. Bei diesen Feldzügen stets gerne mit Rat, Denunziation & Tat dabei ist Frau Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. Bedauerlicherweise wurde bekannt, daß Frau Kahane früher Stasispitzel gewesen ist. Wenn das keine Kontinuität darstellt.

Allenthalben wird davon gesprochen, Deutschland sei ein „offenes“ Land. Im Militär- & Kriegsrecht bedeutet das, es wird nicht verteidigt, sondern kampflos übergeben. Die Fragen sind, an wen, vom wem & ob die, die dieses Offene ständig im Munde führen, die Bedeutung kennen.

Ein Donnerstag Ende April: in der Hamburger Musikhalle wurde vom Ensemble Resonanz u.a. das Violinkonzert von Peteris Vasks aufgeführt, als Solistin die junge tartarische Geigerin Alina Ibragimova. Wiedermal war dieses Konzert eine Lehrstunde, wie Musik gespielt werden kann, auch, was Musik bedeutet. Eine in dieser Form sehr selten zu hörende Homogenität der Musiker. Überwältigend. Von nahezu unhörbarem Flüstern & Zwitschern der Geige, dem kaum wahrnehmbaren Oszillieren der Streicher, bis hin zu kollektiven polyrhythmischen dissonanten Eruptionen – das Werden & Zerfallen von Klang & Struktur. Emotional zutiefst berührendes Welttheater in 30 Minuten.  Kaum beschreibbar.

N a c h w o r t :

Die Rubrik Gedankensplitter, deren IV. Ausgabe mit diesem Nachwort schließt, ist für mich eine Methode, eine Möglichkeit, das zusammenzutragen, was mir Alltags bei meiner Beschäftigung mit politischen Medien, kulturellen Themen & gesellschaftlichem Alltag auffällt. Die gewählte Form erlaubt eine z.T. radikale, vielfach zynische, auf jeden Fall zugespitzte Kommentierung, sie erlaubt, bewußt auf journalistische Distanz zu verzichten, um die Dinge zu fokussieren. Daß es sich dabei um meinen eigenen Fokus handelt, ist so offensichtlich wie natürlich. Das muß man nicht mögen. Die in vielen Fällen ungewollt realsatirische Behandlung der Wirklichkeit durch viele Medien, die Umstände des Migrationsansturms, der lächerliche Hokuspokus der Gender – Ideologie, der institutionalisierte Tugendterror & das Ausgeben von Realitätssurrogaten als uns umgebende Wirklichkeit durch die Funktionseliten nicht nur in diesem Lande, geben seitenweise Stoff für unendlich viele Gedankensplitter. Allerdings, neben dem Widerkäuen der immer gleichen Themen habe ich momentan einfach keine Lust mehr an der Erregung, auch nicht an der Provokation – aber keine Angst, diese Unlust ist temporär. Wer diese Rubrik bislang für nervig, unverschämt, arrogant, ekelhaft & zynisch hielt, kann sich erholen, wer sie liebte, muß sich gedulden. Ich möchte einige längere Sachen schreiben, in die ich noch ein wenig Arbeit investieren muß – aber, soviel sei verraten oder angedroht – ich sammle weiter & schreibe fleißig in mein kleines Schreibheft, was ich immer bei mir habe.
Es stellt sich für Einige die Frage, ob ich ein Nihilist sei. Wer diese Seiten aufmerksam liest oder gelesen hat, weiß, daß dem keinesfalls so ist. Einige meinen, ich säße zwischen allen Stühlen, was schlecht geht, denn auf was würde ich dann sitzen. Zweifellos auf meinem eigenen Stuhl. Wenn ich sage, ich bin nicht mehr links, bin ich dann automatisch rechts – für Viele schon, aber das ist deren Angelegenheit & deren Befindlichkeit, nicht die meine. Wenn rechts bedeutet, den Phantastereien der Linken abhanden gekommen zu sein, dann sei´s drum. Denen sei an dieser Stelle gesagt, ich kann nichts dafür, wenn bestimmte Positionen, Ab- wie auch Zuneigungen von Leuten eingenommen werden, die im Sprachgebrauch des sog. Zeitgeistes als Rechts gelten, nur weil sie die Dinge so erkennen & benennen, wie die Dinge nun mal sind. Wenn dem so sein soll, bittesehr, es ist für mich ohne Belang. Ich habe gelernt, daß selbständiges Denken eine Grundvoraussetzung zum Bestehen des Lebens im Allgemeinen sei. Aber ich hab´ ja auch noch gelernt, daß man Älteren & Frauen die Tür aufhält. Aus dem Gesagten mag eine gewisse Bitterkeit sprechen, das ist bestimmt richtig. Ich werde mich jedoch mit Ernst Jünger genauso wie mit Bertolt Brecht, Botho Strauß, Paul Celan & Hermann Hesse darüber hinwegtrösten. Mit den Böhsen Onkelz genauso wie mit Tocotronic & Rufus Wainwright. Mit dem Ensemble Resonanz, mit Johann Sebastian Bach & Gustav Mahler; mit dem Hamburg Ballett, wie auch mit Gary Burton, Anke Helfrich & dem Elbjazz – Festival. Außerdem mit Badischem Spätburgunder & Rheingau Riesling. Mit meiner Frau & mit wenigen guten Freunden.
Denn mein Stuhl ist äußerst bequem.

Mai 5

Wohin

Wenn ich fort bin,
liegt meine Asche zu
Füßen des einen Baumes.
Meine Seele jedoch ist frei,
sie fliegt ihren Träumen entgegen.
Es existieren keine Grenzen
und nichts kann sie daran hindern,
weder List noch Tücke,
auch keine Fessel.

Runa Haffner