März 22

Gedankensplitter drei

. . . oder die Liebe zur Geometrie . . .

 

Eine besondere Art massenhaft sich ausbreitender krankhafter Mutation ist seit einiger Zeit zu beobachten: der Schnappdaumen. Besonders davon betroffen sind offensichtlich Männer. In der Regel geht diese Mutation einher mit einer starken Versteifung der Nackenmuskulatur & einer erheblichen Einschränkung der Wahrnehmungsfähigkeit. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, daß der suchthafte Mißbrauch des Mobiltelefons für diese Mutationen ursächlich zu sein scheint. Bei den Betroffenen hat sich der Körpertonus darauf ausgerichtet, schnellstmöglichst den Anweisungen auf dem Display des Mobiltelefons zu folgen. Das bedeutet, daß sich die Motorik des Süchtigen auf eine sofortige unmittelbare Reaktion hin ausrichtet, bei der der Daumen in einer dauerhaften Alarmbereitschaft ständig über dem Display schwebt, um eine unmittelbare Reaktion gewährleisten zu können. Da sich weitere Teile des Körpers in ihren Funktionen auf diese Alarmbereitschaft eingestellt haben, kommt es in Folge zur oben bereits beschriebenen Nackenversteifung, da der Süchtige nicht mehr in der Lage ist, seinen Blick vom Display zu lösen. Schwerwiegende Unfälle sind die Folge. Die Landesunfallkassen berichten von schweren Gesichts- & Schädelverletzungen durch ungebremstes Auflaufen auf Laternenpfähle bzw. andere feste Hindernisse, sowie von Schleudertraumata & anderen schwerwiegenden Unfallverletzungen, da sich die Betroffenen trotz ihrer Krankheit hinters Steuer setzen, allerdings nicht mehr in der Lage sind, den Anforderungen des Straßenverkehrs gerecht zu werden. Bei weiblichen Patienten werden diese Phänomene schon länger beobachtet, interessanterweise tritt die Schnappdaumenmutation hier jedoch eher selten auf.

ARDPresseclub am Sonntag, den 28.2.2016. Unter der wie immer leicht spitzbübischen Moderation Jörg Schönenborn´s verteidigen Stephan Detjen (Deutschlandfunk), Cathrin Kahlweit (Süddeutsche Zeitung) & Andrea Dernbach (Tagesspiegel) mutig den pathologischen Altruismus gegen die Zumutungen der Wirklichkeit, hier einsam aber ebenso tapfer vorgetragen von Wolfram Weimer. Andrea Dernbach etwa schrieb am 10.1.2016 in ihrer Zeitung: „Das Geschehen in Köln war ein symbolisches Gespräch unter Männern.“ Damit meint sie, wie weiter ausgeführt wird, den urängstlichen älteren weißen Mann & den jungen fremden potenten wilden Mann. Desweiteren vermutet sie, daß bei den Anzeigenden, also den Opfern der sexuellen Übergriffe, auch solche waren, die gar keine Opfer sind, sondern aus rassistischen Motiven durch eine Anzeige eine Abschiebung der sog. Täter erreichen wollen. In welcher Welt muß man leben, wie verzweifelt sich gegen die Realität stemmen, um so zynisch zu werden, aus Opfern Täter & aus Tätern Verfolgte zu machen. Oder aus Journalisten Ideologiejongleure.

In der taz vom 27.1.2016 schreibt ein Herr Ambros Waibel in der Kolumne Mittelalter Folgendes:Wer hierzulande für Pegida auf die Straße geht, wer AfD wählt, wer Hasskommentare in sozialen Medien schreibt, wer Unterkünfte für vertriebene Menschen anzündet, der tut das in der Nachfolge des industriellen Massenmords an den Juden. Das muss man wissen.“ Man muß allerdings auch wissen, daß derartige Gleichsetzungen & Unterstellungen an anderer Stelle & von anderer Seite als Volksverhetzung geahndet werden. Um sich von Verbrechen & hirnlosen Kommentaren zu distanzieren, braucht es keine Gesinnungs- & Denunziationsportale wie die taz. Aber das Gutmenschenparteiblatt als Wächterin über die reine Leere des herrschenden medial – politischen Komplexes weiß sich verfolgungsenthoben.

Marienfestung, Würzburg
Marienfestung, Würzburg

Eine Frage an Grüne, Linke & ihre Islamhätschelei; was habt Ihr eigentlich mit einer Kultur am Hut, deren weit überwiegende Mehrheit alles das vertritt, wogegen Ihr sonst so gerne auf die Straße geht: Antisemitismus, Schwulenhaß, Frauenunterdrückung, Männlichkeitswahn, um nur vier herausragende Aspekte zu nennen. Antworten darauf gab´s bislang keine. Aber das ist ja auch verständlich.

Daß ich jemals mit Heribert Prantl einer Meinung sein könnte, galt mir als unwahrscheinlich. Daß ich jedem Wort eines Kommentars von ihm zustimmen würde, als ausgeschlossen. Bis zum 2.3.2016, wo Prantl in der SZ umfassend & wohl begründet kritisierte, daß der Befangenheitsantrag gegen zwei Verfassungsrichter im Rahmen des NPD Verbotsverfahrens abgelehnt wurde. Die NPD, das sei hier unmißverständlich klar gestellt, ist eine neonazistische Partei & deswegen per se Unrecht, ihre Mitglieder sind mehrheitlich gewalttätige Vollidioten, sie ist politisch komplett bedeutungslos & geht an sich selbst zu Grunde. Soll sie verboten werden – ich finde nicht, weil sich sachlich außer der formalen Auflösung nichts ändern würde, die Neonazis würden der Partei Der III. Weg beitreten, die´s bereits gibt, die also nicht als Nachfolgeorganisation ebenfalls verboten werden könnte, die Gesinnung ist in diesem Lande, egal, wie man sie findet, grundsätzlich (noch) nicht strafbar. Parteiverbote, egal ob sie die KPD oder die NPD treffen, sind keine Lösung irgend eines Problems, sondern letztlich hilflose Symbolik. Sie sind deswegen auch keine rechtlichen, sondern politische Verfahren.

Das mit Abstand Lustigste, was die Medienlandschaft seit einiger Zeit zu bieten hat, ist die taz. Deren Kolumnen & Kommentare sind dermaßen komisch, wie es Realsatire nur eben sein kann. Das liegt vor allem daran, daß der Stil, in dem die Gesinnungs – Ayatollahs vor sich hin halluzinieren, komplett ironiefrei ist, auch nicht der Hauch eines professionellen Abstands zum Objekt spürbar wird, & sich somit der Verdacht aufdrängt, die meinen´s tatsächlich ernst. Sektierern jeder Coleur ist stets eines gemeinsam: sie sind Humorhasser, weil dieser sich so schlecht mit ihrem aus Realitätssurrogaten zusammengebastelten Weltbild verträgt & sie sich ständig bedrängt & verfolgt wähnen. Sektierer sind Angstbeißer. Neulich fand ich beim Stöbern einen Beitrag aus der taz – Rubrik Wahrheit vom 24.3.2013, verfaßt von Philip Meinhold, in dem er sich über den ZEIT – Kolumnisten Harald Martenstein ergeiferte. Allein über die einleitende Verknüpfung der Begriffe links – liberal – intelligent ließe sich Einiges sagen, zumal dann, wenn der Rest des Artikels jedem dieser Postulate eklatant widerspricht. Eine Aufzählung der zu inkriminierenden Meinungen Martensteins folgt. Was fehlt, ist allerdings jeder Hinweis darauf, daß dieser in seinen Kolumnen Satire betreibt, über die sich trefflich lachen läßt. Martenstein verletzt das oberste, das einzige Gebot aller Ayatollahs: er macht sich über ihre Heiligtümer lustig, die in diesem Falle vor allem Gender, Rassismus & Kampf gegen Rechts, also gegen alles, was anders denkt, heißen. Deswegen finde ich den Schlußsatz dieser so gänzlich unfreiwilligen Posse auch so schön. Er lautet „Wenn Harald Martenstein ein Meister der Ironie ist, dann ist Mahmud Ahmadinedschad der Woody Allen von Teheran.“ Köstlich, aber warum muß ich dabei wohl an den Dorfrichter Adam denken.

In diesem Lande wimmelt es geradezu von Paralleluniversen. Eines der größten, vielfältigsten & schillerndsten, allerdings auch der absurdesten, ist das der Genderstudies. Sehr wahrscheinlich ist es das dem realen Leben am weitesten entrückte. An der Berliner Humboldt Universität gibt es einen Lehrstuhl für Genderstudies & Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien. Inhaberin ist Lann Hornscheidt. Auf ihrer Webseite finden sich folgende Anweisungen zum Umgang mit ihr: „Wenn Sie mit Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen wollen, verwenden Sie bitte respektvolle Anreden, die nicht Zweigeschlechtlichkeit aufrufen, wie z. B. „Hallo Lann Hornscheidt“, „Guten Tag Lann Hornscheidt“ oder „Dear Lann Hornscheidt“ und vermeiden Sie bitte zweigendernde Ansprachen wie „Herr ___“, „Frau ___“, „Lieber ___“, oder „Liebe ___“. Es gibt nicht die eine richtige und gute Anrede, sondern es bedarf respektvoller neuer Anredeformen – ich freue mich auf Ihre kreativen anti-diskriminierenden Ideen.“ Weiter heißt es dort: „Falls Sie nicht kommunizieren, sondern nur Ihre Irritation zurückwerfen wollen, statt sie als Impuls für sich zu benutzen über eigene Normen und Weltbilder nachzudenken, dann schicken Sie dies bitte an folgende Mail-Adresse: hatemail.an.hornscheidt@gmail.com .“ Die genderkorrekte Ansprache wäre nach eigenem Bekunden: „Liebx Professx“. Ich möchte an dieser Stelle abbrechen & mein Mitgefühl ausdrücken.

Die Ambivalenz des sog. Regietheaters liegt in dem Umstand begründet, daß es sich nicht zwischen Kunst & Politik entscheiden kann. Für Beides sind spezielle Begabungen erforderlich, die leider allzu oft unerfüllt bleiben.

Marienfestung, Würzburg
Marienfestung, Würzburg

Fundstücke IV: Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit 10/16:  „Der Psychologe Hans – Joachim Maaz diagnostizierte kürzlich im CICERO bei den Funktionseliten eine „narzistische Normopathie“. Der Begriff übersetzt die Verdinglichung – die Überhöhung gesellschaftlicher Phänomene zu naturgesetzlichen oder göttlichen Gewalten – in die Terminologie der Psychologie. „Das Falsche, der Irrtum wird nicht mehr erkannt, weil die Mehrheit einer Meinung ist & danach handelt.“ In der Logik der Normopathen sitzen ihre Kritiker einem falschen Bewußtsein oder einer verkommenen Moral auf. Die „normopathische Störung“, die die Einsicht in die Lage & die fälligen Veränderungen blockiert, erklärt Maaz „als Folge reaktiver Schuldabwehr aus den zu verantwortenden Verbrechen der Vergangenheit & dem Wissen vom neuen „falschen Leben“ in einer Gesellschaft mit Profitzwang & materieller Gier ( . . . )“ Erneut führen alle Wege ins Dritte Reich.“

Radio IV: NDR 1, Radio MV, Samstag Morgen. Ein sich grenzdebil gebender Moderator plappert, offensichtlich von sich selbst bestens unterhalten, Sinnfreies ins Mikro. Man nennt soetwas heute zuweilen fröhlich, locker, unkompliziert & einfach gut drauf. Er tut dies, zwangsgebührenbeglückt, für ein vermutlich ebenfalls grenzdebiles Publikum, das ja andernfalls zu Tausenden beim Sender anrufen würde, um sich derartig brüskierende geistige Totalausfälle zu verbitten. So wird der ö.r. Rundfunk zur Geisel einfältiger Zuhörer & einer totalitären Quote.

Was für ein Todesjahr ! Nun ist also auch noch Keith Emerson von uns gegangen, ein Musiker, der, wie sonst höchstens noch (der mir unerträgliche) Frank Zappa, im Bereich Rock & Verwandtes ein universell Schaffender im besten Sinne war, der klassische Musik, Jazz & Rock nicht nur einfach fusionierte, sondern sich, in allen Sparten versiert, aus dem großen musikalischen Handwerkskasten nach Belieben zu bedienen wußte. Das, was The Nice & Emerson Lake & Palmer damals schufen, & was zu Zeiten – trotz durchaus hoher Schmerzgrenze – ungeheuer erfolgreich war, bleibt singulär. Vergleichbares hätte heuer keinerlei Aussicht auf Veröffentlichung oder Sendezeit. Pictures of an – closed – exhibition.

Nur Mitglieder der Grünen inszenieren ihre Mitgliedschaft gerne in größerem Kreis, sie stellen sie als Monstranz ihrer moralischen Überheblichkeit aus.

Musik, die uns berührt, hat das Wort überwunden. Sie erreicht Schichten des Unbewußten, die uns i.d.R. verborgen bleiben.

In den Bildern des Hieronymus Bosch treffen wir auf Wesen, denen wir nur sehr ungern begegnen. Sind wir ehrlich, so erkennen wir in den Nacht- & Spukgestalten uns selbst. Wir erleben unsere Schuld & unsere Angst vor Bestrafung selbst dann, wenn wir behaupten, nicht gläubig zu sein & deswegen nicht in diesen Begriffen zu denken. Wir begegnen dem Unsagbaren in uns. So gesehen war Bosch der erste Analytiker.

Dr. Peter Tauber, Schild & Schwert der Kanzlerin, ist ein freundlicher, umgänglicher & jovialer junger Mann, der, seinem Erscheinungsbild nach, offensichtlich in der falschen Partei ist. Dieser freundliche nette Herr Tauber ist knallhart, eiskalt & von vernichtender Rhetorik, wenn´s um seine Aufgabe geht. Der joviale Herr Tauber ist durchaus ein gefährlicher interessanter Mensch.

Nach der Wahl. Im Fernsehen kratzen, krakelen & flattern die Hähne der Parteien aufgeregt auf dem Misthaufen, den sie selbst aufgeschichtet haben. Das Volk hat falsch gewählt. Wäre es da, nach Brecht, . . .   nicht besser, die Regierung entließe es & wählte sich ein neues ?“

Gegen die Zumutungen des Daseins anleben. Den Obszönitäten des Alltags ein Trotzdem entgegenhalten, der Verzweiflung ein Dennoch abringen. Diesen Kampf als Hoffnung begreifen.

März 22

Die Tugendwächter

. . .  oder die Errichtung eines Popanz ;  ein Zwischenruf . . .

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Das Gespenst des Rechtspopulismus. Alle Mächte des alten Deutschland haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet . . . So könnte, in Anlehnung an die Einleitung des Kommunistischen Manifestes, eine Beschreibung des Gegenwärtigen beginnen.

Die AfD ist eine Partei, vor der man keine Angst haben sollte. Sie hat Ergebnisse errungen, die sie zwangsläufig verändern werden. Das war bislang bei allen neuen Parteien so. Sie hat kein Programm, dies soll erst im April 2016 verabschiedet werden. Der Programmentwurf beinhaltet Islam- & Migrationskritisches, fordert mehr direkte Demokratie, eine deutliche Stärkung des Nationalstaates gegenüber Brüssel, die Beschneidung von Parteienmacht & -einfluß, die Verkleinerung des Bundestages, die Abschaffung der Erbschaftssteuer, die Stärkung der Mittelschicht, eine Schuldenbremse, & sie setzt sich für ein traditionelles Familienbild ein. Soweit, so gut. Darüber hinaus verbreitet sie das Ammenmärchen, daß es einen Klimawandel aufgrund zu hoher Co2 Emissionen nicht gibt, & schließt sich somit dem Mantra vieler Konservativer & Rechter an, die, eigentlich untypisch, die Leugnung des menschengemachten Klimawandels zum realitätsenthobenen Glaubenssatz verklärt haben. Da muß Lernfähigkeit durchaus eingefordert werden. Die AfD ist eine Partei, in der die Machtfrage nach wie vor als offen betrachtet werden kann, die Wahlerfolge werden diesen Prozeß befördern, auch dies war bislang bei allen neuen Parteien so. Der nationalkonservative Flügel, der sich ideologisch offenbar am IfS, dem Institut für Staatspolitik, also an der Sezession orientiert, hat leider keinerlei Protagonisten, die dem intellektuellen Anspruch des dort Vertretenen, sowie dem ideologischen & historischen Hintergrund gerecht werden können. Der Unsinn, den einige Repräsentanten der Partei von sich geben, ist teilweise unentschuldbar, aber auf durchaus ähnlichem geistigen Niveau wie einige Sätze, die aus linken oder grünen Mündern in die Mikrophone erbrochen werden. Kein Mensch muß diese Partei oder irgend eine andere mögen. Dennoch: die AfD ist eine Partei, vor der man keine Angst haben sollte.

Nun ist es allerdings leider so, daß wir in einem Lande leben, in dem der grüne Linksliberalismus in all seinen Ausprägungen bis weit in die CDU hinein zur Staatsrelegion erhoben & mit totalitärer Alternativlosigkeit medien- & parteiübergreifend vertreten & von seinen Fußtruppen im festen Glauben an die eigene, natürlich höhere, Moral bedingungslos durchgesetzt wird. Das ist der Grund, aus dem es die AfD überhaupt gibt.

Wie man nun liest, hat sich ein Bündnis zusammengefunden, welches sich „Aufstehen gegen Rassismus“ nennt, & in dem sich alles wiederfindet, was in diesem Spektrum Rang & Namen beansprucht. Hier findet sich vom erstickenden DDR – Mief, über den dekadenten antideutschen Grünen bis hin zum Gewaltsektierer alles, was für eine angeblich bessere Welt streitet. Dazu eine Fülle von Einzelpersonen, schon immer bekannt für ihr moralisch ethisch untermauertes Besserwissertum & dem damit noch stets einhergehenden missionarischen Zwangsbeglückungsfuror. Das Wort des Jahres dieser Leute heißt Rassismus. Darunter wird alles subsummiert, was ihnen nicht paßt: Pegida, AfD, NPD, alles das Selbe, keinerlei Unterschiede erkennbar. Diese Leute sind natürlich alle Rassisten & für sämtliche Brandanschläge gegen Flüchtlingsheime höchstpersönlich oder per Sippenhaft verantwortlich. Kritik an der Migrationsflut ist ihnen fremdenfeindliche Hetze. Zitat: „Wir wenden uns gegen Obergrenzen und Grenzschließungen, die Wasser auf den Mühlen der Rassistinnen und Rassisten wären. Wir stehen für eine offene und gerechte Gesellschaft. Wir lassen nicht zu, dass Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Wir wollen Solidarität, Zusammenhalt und ein besseres Leben für alle!“ Dann wird’s ein wenig hysterisch: „Dem Verbreiten von Hass setzen wir eine bundesweite antirassistische Aufklärungskampagne entgegen: im Stadtteil, in der Schule, an der Uni, im Betrieb, im Theater, im Konzertsaal – überall!“  Gedroht wird natürlich auch: „Wir werden uns der AfD überall entgegenstellen, ob auf der Straße oder in den Parlamenten. Überall wo die Rassistinnen und Rassisten von AfD und Co. demonstrieren, sprechen oder auf Stimmenfang gehen, werden wir präsent sein und klar und deutlich sagen: Wir stehen auf gegen Rassismus! Keine Stimme für rechte Hetze!“

Marienfestung, Würzburg
Marienfestung, Würzburg

Das ist der Jargon des heiligen selbstgerechten Imperativs, die Sprache derer, die angetreten sind, die Welt nach ihrem Ebenbilde zu zwingen, es sind die wenigen Auserwählten, die Demokratie & Menschenrecht einfordern, die Gleichbehandlung verlangen & doch die sind, die als verschwindende Minderheit der überwältigenden Mehrheit ihren Tugendterror nicht ersparen wollen. Es sind die, die für nichts eine auch nur annährend praktikable Lösung anbieten, aber so tun, als wenn sie eine im Rucksack hätten & als würde das, was sie fordern, die Probleme nicht noch vervielfältigen. Es sind die, die letztendlich von der Wirklichkeit nichts wissen wollen, weil sie nicht Sehen wollen, &  sich deshalb eine eigene schaffen. Wären sie nicht so gefährlich, könnte man sie belächeln, so wie man spielende Kinder belächelt & sich an ihrer weltfernen Unschuld erfreut. An ihnen manifestiert sich die Anomalie der deutschen Nation (Egon Bahr), die unbewältigte Schuld & die daraus resultierende Verdrängung. Das, was sie zu bekämpfen vorgeben, das haben sie selbst erschaffen. Im sog. Kampf gegen Rechts bekämpfen sie ihre eigene verdrängte Schuld, ihre eigene Unfähigkeit zu trauern (Margarete Mitscherlich). Sie fordern Toleranz & sind selbst das Gegenteil davon. Ihr Nein zu den herrschenden Verhältnissen ist ein Nein zu sich selbst, zu ihrer Herkunft & somit ein Nein zur deutschen Nation. Der antideutsche Haß ist letztlich nichts als Selbsthaß.

Nein, vor der AfD sollte niemand Angst haben. Angst haben sollte man vor selbstgerechten Tugendwächtern, vor Leuten, die außerhalb ihrer moralischen Arroganz keine Argumente haben. Angst haben sollte man vor pathologischen Altruisten, denen das unbekannte Fremde näher ist als das Eigene, weil sie letztlich nichts Eigenes kennen, & weil sie ihre Trugbilder zum Maßstab für sich, aber leider auch für alle anderen erheben. Angst haben sollte man vor einer sich totalitär inszenierenden Moral, die zutiefst antidemokratisch, anmaßend & menschenverachtend ist, weil sie nicht in der Lage ist, auch nur ein Problem zu lösen & in ihrem Beglückungswahn mit verstandesfreier blinder Begeisterung ungleich größere schafft.

 

März 22

Des Heiligen Antonius` Fischpredigt

. . .  eine außergewöhnliche Matinee . . .

 

Antonius zur Predigt
Die Kirche findt ledig
Er geht zu den Flüssen
und predigt den Fischen . . .

aus Des Knaben Wunderhorn (Hrsg. Achim von Arnim & Clemens Brentano)

Die Konzerte des NDR Sinfonieorchesters können als durchwachsen bezeichnet werden. Das in den letzten Jahren stark verjüngte Orchester ist immer noch stark von seinem Dirigenten abhängig. Es krankt allerdings auch an der oft allzu biederen & konventionellen Programmauswahl, die bedauerlicherweise dem gerontologischen Altersdurchschnitt großer Teile des Publikums angepaßt wird. Lichtblicke bietet vor allem die Konzertreihe Das Neue Werk, wo zuletzt die Konzerte zum 80. Geburtstag Helmut Lachenmanns zeigten, daß es auch anders geht. Daß auch hier kaum junge Leute anwesend waren, hat mich allerdings schon überrascht, aber das ist ein anderes Thema. Steht der „richtige“ Dirigent auf dem Pult, überzeugt das Orchester mit einem überaus hohen spieltechnischen & klanglichen Niveau, welches sich vor sog. großen internationalen Orchestern keinesfalls zu verstecken braucht.

Am Sonntagmorgen, dem 20.3.2016, fand in der Musikhalle Hamburg (ich werde weiterhin ignorieren, daß diese Halle seit einiger Zeit Laeiszhalle heißt) eine Aufführung statt, die, um es vorwegzunehmen, nichts weniger als sensationell war. Auf dem Programm standen Richard Strauß´ sinfonische Dichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche, fünf Lieder aus Gustav Mahler´s Vertonungen von Gedichten aus Des Knaben Wunderhorn, sowie die zehnte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Dirigent war der 34 jährige Krzysztof Urbanski, erster Gastdirigent des Orchesters, Solist Thomas Hampson. Urbanski betrat das Pult mit jugendlichem Elan & einer strahlenden Freundlichkeit & Zugewandtheit, die Dirigenten in dieser Form zumeist abgeht. Was dann folgte, trieb mir bereits nach wenigen Takten Tränen der Rührung ob der überwältigenden Qualität des Dargebotenen in die Augen. Das wohlbekannte Stück wurde an diesem Morgen seiner gerne zelebrierten spätromantischen, auf Wohlklang bedachten Behäbigkeit beraubt & in sehr tänzerischer Weise zu einer schelmischen Erzählung lustiger, allerdings auch durchaus derber Streiche. Die Solovioline kratzte & knarzte, Blech & Schlagwerk donnerten & die Klarinetten blökten fratzenhaft an den erforderlichen Stellen. Die Dynamik umfaßte das gesamte Spektrum vom fff bis zum ppp, Urbanski dirigierte mit seinem gesamten Körper, tanzte, wedelte & schlug mit Armen, Händen & Taktstock um sich, gab gleichwohl präzise Einsätze, wirkte jederzeit hochkonzentriert, & wenn je ein Dirigent urplötzlich eine flüsternde Körpersprache annehmen konnte, so dieser außergewöhnliche junge Mann, der mit den Fingern der linken Hand leise Tonfolgen modellierte, während in der Rechten der Taktstock kaum sichtbare, fast schwerelose Bewegungen vollführte. Die Begeisterung über sein Tun war in jedem Moment präsent & übertrug sich vom ersten Takt an auf ein hochmotiviertes Orchester, welches er mit ansteckendem freudigen Lachen genauso zu führen verstand, wie mit stummem versunkenen Innehalten.

Kloster Beuron / Donau
Kloster Beuron / Donau

Thomas Hampson ist einer der weltweit bedeutendsten Liedsänger, wie er an diesem Morgen erneut eindrucksvoll bewies. Eine stattliche, freundliche & durchaus aristokratische Erscheinung, unterstrich der 60 Jährige mit kleinen differenzierten Bewegungen & angemessener Mimik das Gesungene überaus eindrucksvoll & gab auf diese Weise die Stimmungen der fünf ausgesuchten Lieder überzeugend wieder. Die Sammlung Des Knaben Wunderhorn, von Clemens Brentano & Achim von Arnim in den Jahren 1805 bis 1808 herausgegeben, besteht aus Volks- Liebes-, Soldaten- & Kinderliedern vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Gustav Mahler komponierte einen Zyklus aus zwölf Vertonungen in den Jahren 1892 bis 1898. Die oft naiv volkstümlichen Texte wurden von Mahler in der ihm eigenen Tonsprache zwischen Spätromantik & Neuer Wiener Schule sehr inhaltsbezogen vertont, das Volkstümliche klingt in ländlerhaften Passagen an, das Groteske, das Marsch- & Fratzenhafte besonders der Soldaten- & Todeslieder findet ebenfalls einen angemessenen Raum. Die Lieder werden leider zu oft eher auf das Volkstümliche beschränkt. Hampson rückt, besonders in den Liedern Revelge, Der Schildwache Nachtlied & Lied des Verfolgten im Turm den musikalischen Ausdruck näher an Alban Berg heran als an Richard Strauß. Von Urbanski eindrucksvoll & im besten Sinne sachdienlich unterstützt, betonen beide die oft unterschätzte Modernität Mahler´s an den Bruchlinien der Musikgeschichte. Der Autor dieser Zeilen ist der festen Überzeugung, daß gerade die Musik Gustav Mahlers an diese Grenzen gehen muß, ja daß eine wirklich große Interpretation seiner Musik auch an der persönlichen Tragik seines Lebens, der inneren wie äußeren Zerrissenheit, dem Leiden an sich selbst & der Welt dadurch gerecht zu werden hat, daß sie hörbar wird. Keiner wußte & konnte dies besser als Leonard Bernstein, der seine persönliche Betroffenheit & Identifikation von & mit Mahler in seine Interpretationen nicht nur einfließen ließ, sondern sie darüber hinaus eben auch intensiv hörbar werden ließ. Gerade deswegen ist er der sicherlich bedeutendste Mahlerinterpret in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworden. Hampson & Bernstein verband eine lange & intensive künstlerische Zusammenarbeit, die in diversen Schallplattenaufnahmen & Konzerten ihren Ausdruck fand. Hampson & Urbanski gelang es, dies in kongenialer Weise aufzunehmen. Vom Publikum völlig zu Recht enthusiastisch gefeiert, gab´s zwei Zugaben, herzliche Umarmungen von Sänger & Dirigent, sowie reichlich Honneurs ans ebenfalls heftig applaudierende Orchester.

Nach der Pause gab´s die zwischen dunkler Tragik & fratzenhaft ekstatischen Ausbrüchen changierende zehnte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, die all das vereint, was der sinfonischen Tonsprache des Komponisten so zu eigen ist: lange elegische, von tiefen Streichern dominierte Passagen, groteske, von ungeraden Metren bestimmte Marschrhythmen & wild donnernde Ausbrüche. Veröffentlicht 1953, dem Todesjahr Stalin´s, gerät das Werk zu einer Abrechnung mit dem Diktator & seinem System, unter dem der Komponist so lange auch persönlich gelitten hatte. Erneut zeigten Dirigent & Orchester eine beeindruckende Vorstellung, in der offensichtlich wurde, in welch hohem Maße beide Seiten zueinander gefunden haben, & diese Verbindung idealerweise in eine perfekte Interpretation verwandeln können, bei der jede Geste des Dirigenten wahrgenommen & umgesetzt wird, die Musiker deutlich machen, daß sie die Intentionen des Dirigenten nicht nur verstehen, sondern ihnen auch mühelos zu folgen in der Lage sind & auf der Bühne eine überwältigende musikalische & künstlerische Energie freigesetzt wird. Dieser Schostakowitsch war durchaus eher ein Thriller als eine Sinfonie. Erneut wurden Dirigent & Orchester enthusiastisch gefeiert.

Ein überwältigender & nachhaltig bewegender musikalischer Morgen, der lange nachwirken wird.

März 3

Der Widerchrist

Dort kommt er vom berge · dort steht er im hain!
Wir sahen es selber · er wandelt in wein
Das wasser und spricht mit den toten.

O könntet ihr hören mein lachen bei nacht:
Nun schlug meine stunde · nun füllt sich das garn.
Nun strömen die fische zum hamen.

Die weisen die toten – toll wälzt sich das volk ·
Entwurzelt die bäume · zerklittert das korn ·
Macht bahn für den zug des Erstandnen.

Kein werk ist des himmels das ich euch nicht tu.
Ein haarbreit nur fehlt – und ihr merkt nicht den trug
Mit euren geschlagenen sinnen.

Ich schaff euch für alles was selten und schwer
Das Leichte · ein ding das wie gold ist aus lehm ·
Wie duft ist und saft ist und würze –

Und was sich der grosse profet nicht getraut:
Die kunst ohne roden und säen und baun
Zu saugen gespeicherte kräfte.

Der Fürst des Geziefers verbreitet sein reich ·
Kein schatz der ihm mangelt · kein glück das ihm weicht..
Zu grund mit dem rest der empörer!

Ihr jauchzet · entzückt von dem teuflischen schein ·
Verprasset was blieb von dem früheren seim
Und fühlt erst die not vor dem ende.

Dann hängt ihr die zunge am trocknenden trog ·
Irrt ratlos wie vieh durch den brennenden hof ..
Und schrecklich erschallt die posaune.

 Stephan George