Februar 14

Tribunale, Welpen & ein Guru

der (un)aufhaltsame Aufstieg der Liste Links … oder wie eine Psychosekte maßgeblichen Einfluß in der Hamburger LINKEN erlangen konnte

„Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat !“

Rosa Luxemburg

„Sie sagten, wenn ich erst brav bin, dann werd´ ich dasselbe wie sie – ich aber dachte, wenn ich erst Schaf bin, dann werd´ ich ein Metzger nie !“      

Bertolt Brecht / Lied vom Klassenfeind

 

Vorbemerkung:

Im Landesverband Hamburg der LINKEN existiert eine „studentische“ Gruppierung mit Namen Liste Links, die an der Uni Hamburg unter dem Namen BAE! (Bündnis für Aufklärung & Emanzipation) firmiert.  In diesem Bündnis ist auch ein Ableger der Jusos in der SPD aktiv, der sich, in Abgrenzung zu diesen, harte Zeiten nennt. Die Liste Links ist seit den ersten Tagen der PDS in den 90er Jahren in Hamburg aktiv. Die agierenden Hauptpersonen in der Partei & an der Uni sind dabei weitgehend identisch. Die Liste Links ist Teil & Ziehkind des Geraer sozialistischen Dialog & tritt bei Bundesparteitagen auch unter diesem Namen auf. Der Name Liste Links verspricht scheinbar eine konsequent linke Politik, das Bündnis impliziert mit seinem Namen einen fortschrittlichen Anspruch. Wir werden im Folgenden sehen, daß die Wirklichkeit der Gruppierung das genaue Gegenteil dieser Postulate darstellt. Die Tätigkeit des BAE! ist auf das Verteilen von Flugblättern, sowie die Erlangung von Mandaten in studentischen & universitätsspezifischen Vertretungen ausgerichtet, die der Liste Links (im Folgenden auch LiLi genannt) auf die Schaffung von Bedingungen in der Partei DIE LINKE in Hamburg, die verhindern, daß ohne ihre Zustimmung keine Politik im LV möglich ist. Dies geschieht über die Erlangung von Mandaten & die Wahl von Delegierten bzw. Funktionsträgern, die die entscheidenden innerparteilichen Gremien, i.d.R. Vorstände, auf allen Ebenen besetzen & dominieren. Wie dies im Einzelnen geschieht, werden wir sehen.

Die Liste Links hatte in der Partei keinen guten Ruf. Kaum jemand wollte sich mit ihrem albernen Aventgardeanspruch, ihrer pseudolinken Schwurbelrethorik & dem anmaßend exclusiven Verhalten ihrer Mitglieder abgeben. Die Einschätzung, die Absichten der Liste Links seien grundsätzlich destruktiv, war durchaus mehrheitsfähig. Das hat sich grundlegend geändert. Den Mitgliedern der Liste ist es gelungen, Vorstandsposten zu besetzen, den Landesparteitag zu dominieren & zu erreichen, daß die LINKE in Hamburg politisch tot ist. GenossInnen, die sich der Liste widersetzen, werden ausgegrenzt, gemobbt, bedroht & niedergebrüllt. Sie haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Sich zu fügen, oder auszutreten, denn organisierter Widerstand existiert gegenwärtig nicht. Wie es dazu kommen konnte, soll im Folgenden ein wenig beleuchtet werden.

Zur äußeren Erscheinung der Liste Links & ihrem Wirken in der Partei:

Die Liste Links besteht im Kern aus einem unangefochtenen Oberhaupt, einem engen Führungszirkel aus ca. 4 – 6 Personen, einer Gruppe etablierter & uneingeschränkt zuverlässiger Aktiver, deren Zahl bei höchstens 20 – 30 Personen liegen dürfte, sowie einer schwer zu schätzenden Anzahl von noch unter erhöhter Aufsicht der Führung stehender Adepten. Im Landesverband der LINKEN betreibt bzw. dominiert die LiLi vier Arbeitsgemeinschaften, nämlich die AG´s  Studierendenpolitik, Gegen Rechts, Frieden und Abrüstung, sowie die Kommunistische Plattform (hier keinesfalls zu verwechseln mit der Kommunistischen Plattform Clara Zetkin !). Im Landesvorstand sitzen 3 Mitglieder der LiLi, in den Bezirksvorständen, besonders in den Bezirken Nord & Mitte, sitzen weitere. Die Liste versucht, die politischen Entscheidungen der Partei in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sie gibt vor, dieser Sinn bestehe in konsequenter linker Ausrichtung der Partei, was für sie gleichbedeutend mit der Rolle einer dauerhaften Opposition ist. Sie beruft sich gerne auf Parteitagsbeschlüsse, für deren konsequente Umsetzung sie einzutreten vorgibt, sowie auf die innere plurale Verfaßtheit der Partei. Diese nimmt sie stets immer gerne für sich selbst & ihr Agieren in Anspruch, wohingegen sie Anderen gegenüber möglichst strikt verweigert wird.

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Die Mitglieder der Liste haben keinerlei Interesse an der Übernahme von Verantwortung. Sie machen keinen Wahlkampf, besetzen keine Infotische & streben keine Ämter an, bei denen sie öffentlich tätig & somit rechenschaftspflichtig wären. „Infotische sind Arbeitshetze !“ (Zitat Franziska Hildebrandt / Liste Links). Sie versuchen allerdings dafür zu sorgen, daß personelle Entscheidungen nicht gegen sie getroffen werden können. Hierzu bedienen sie sich u.a. auf innerparteilichen Wahlversammlungen einer inquisitorischen Befragung von Kandidaten, die eher deren Einschüchterung, als einer inhaltlichen Erhellung dienen. In gleicher Art & Weise wird von Gewählten Rechenschaft verlangt. Die Mitglieder der Liste kennen die Geschäftsordnung der Partei mindestens so gut wie der Landesgeschäftsführer, was ihnen einen unangefochtenen Vorteil auf Versammlungen verschafft, bei denen sie diese Kenntnisse in hohem Maße zu nutzen wissen. Eine beliebte Vorgehensweise ist das Hinauszögern von Abstimmungen über Themen & Kandidaten, die der Liste wichtig sind. Diese finden i.d.R. nach 22.00 Uhr statt, wenn die meisten Anwesenden gegangen sind, da sie entweder zu müde sind,  oder am nächsten Morgen zur Arbeit müssen. Da die meisten Mitglieder der Liste Erwerbsarbeit nur aus den Erzählungen anderer oder dem Soziologieseminar kennen – sie sind entweder elternfinanzierte Dauerstudenten oder verfügen über andere Einnahmequellen – verfahren sie entsprechend. Hierbei ist hilfreich, daß sich ab einer gewissen Mindestanzahl Anwesender die für eine Abstimmung erforderlichen Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten verändern können. Überhaupt spielt der Faktor Zeit eine bedeutende Rolle bei der Dominanz der Liste in vielen Bereichen. Wir werden darauf später noch näher zurückkommen. Aus den Anfangstagen der PDS in Hamburg sind Situationen beschrieben, bei denen die Liste noch zusammensaß, diskutierte & formulierte, als die ersten GenossInnen am späten Morgen zur Geschäftsstelle kamen. Die Liste saß dort seit dem Nachmittag des Vortages zusammen. Aus dieser individuellen Selbstausbeutung entsteht die Möglichkeit, z.B. sämtliche wichtigen Papiere & Vorlagen gelesen & mit Änderungsanträgen überzogen zu haben, bevor andere sie überhaupt zur Kenntnis nehmen konnten.

Die Mitglieder der Liste wirken im persönlichen Umgang zumeist offen, zugewandt & freundlich. Dies ändert sich schlagartig, wenn Widerspruch aufkommt. Die Schwelle zur persönlichen Diffamierung & Herabwürdigung wird schnell überschritten. Haben sie Zugang zu Administratorenfunktionen von e-mail Verteilern, was immer wieder der Fall ist, werden mails, die kritische Fragen oder Inhalte transportieren, gefiltert, gelöscht oder gesperrt. Reicht das alles nicht aus, werden KritikerInnen durchaus schon mal mit Haßmails eingeschüchtert. Sitzungstermine werden möglichst so gelegt, daß bekannte oder befürchtete Widerständige aus parallel liegenden Terminverpflichtungen heraus nicht teilnehmen können. Ebenso werden Einladungen extrem kurzfristig versandt.

Die Listenmitglieder betreiben eine offensive Bündnispolitik mit den Kräften in der Partei, die sich selbst als parteiintern links stehend verorten. Dies sind in Hamburg vor allem die Kommunistische Plattform Clara Zetkin, die Antikapitalistische Linke, sowie Cuba Si. In all diesen Zusammenschlüssen, besonders aber in der KPF / CZ, gibt es allerdings starke Bedenken & erhebliche Vorbehalte gegen die Liste. In einzelnen Fragen kommt es jedoch immer wieder zu mühsam ausgehandelten Abstimmungskoalitionen auf dem Landesparteitag, weil die Mitglieder der LiLi auch hier versuchen, einen Antragstext buchstäblich bis auf jedes Komma zu dominieren. Insgesamt besteht durchaus bei sehr vielen Mitgliedern & Funktionsträgern des Landesverbandes nach wie vor eine tiefe Abneigung gegen das Agieren der Liste, sowie das Auftreten ihrer Mitglieder. Zu einer entsprechenden Organisierung hat dies indes bislang unverständlicherweise nicht geführt.

Eine weit größere Abstimmungsgefolgschaft auf Parteitagen & in den Bezirken erwächst ihnen allerdings aus dem Gros der Betroffenheits- & Gefühlslinken, denen eine pseudoradikale Phraseologie als Ausweis der richtigen „linken“ Linie vollkommen ausreicht & die Beschäftigung mit den real existierenden Verhältnissen ausblendet. Hier weder Botschaft noch Überbringer einem genauen Blick zu unterziehen, begründet einen Großteil des verheerenden Einflusses der Liste auf die Politik des Landesverbandes. Das erschreckend unpolitische & kritiklose Agieren weiter Teile der aktiven Mitgliedschaft ist, neben der unausgesetzten Wühlarbeit der Liste, die wesentliche Voraussetzung ihres politischen Erfolges.

Dieser Erfolg besteht in der möglichst breiten Dekonstruktion jedes konstruktiven praktischen Politikansatzes, sowie in der umfassenden Verhinderung seiner Durchführung. Jüngstes Ergebnis dieser Politik ist der mit überwältigender  Mehrheit gefaßte Beschluß des letzten Landesparteitages (LPT), nach der Bürgerschaftswahl mit keiner Partei überhaupt nur zu reden, geschweige denn irgendwelche Absprachen oder Bündnisse einzugehen.  Daß dies eine politische Bankrotterklärung darstellt, ist der Liste egal, denn der Beschluß ist maßgeblich auf ihr Wirken zurückzuführen, er ist ihr bislang größter politischer Erfolg. Daß die Partei auf ihren Plakaten immer noch für einen Politikwechsel wirbt, ist Realsatire, oder genauer gesagt grobe Wählertäuschung, genau wie die Einladung von Bodo Ramelow als Wahlkampfredner. Erstaunlicherweise hat weder die SPD, noch die Hamburger Stadtpresse dies aufgegriffen, ein weiteres Zeichen für die vollkommene politische Bedeutungslosigkeit der LINKEN in Hamburg, in die sie sich bewußt & gewollt manövriert hat. Nun ist es allerdings so, daß der Liste & ihren gefühlslinken Claqueuren die Probleme der Menschen, für deren Lösung gerade eine linke Partei einzutreten  hätte, & von denen bzw. über die sie andauernd reden, herzlich egal sind. Der Liste sind sie tatsächlich vollkommen gleichgültig, denn alles anderes würde die Übernahme von Verantwortung & die Entwicklung praktikabler Ideen erfordern, die Claqueure haben schlichtweg nicht begriffen, was vorgeht. Zu der Frage nach der Motivation dieses Dekonstruktivismus werden wir noch kommen.

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Im Jahre 2000, als die LINKE noch PDS hieß, schrieb die langjährige Sprecherin der Kommunistischen Plattform Clara Zetkin (KPF/CZ), Lilo Lottermoser, einen bemerkenswerten Artikel mit dem Titel Zur Frage des linken Pluralismus in Hamburg. Bekannt geworden ist er allerdings unter seiner Fragestellung Was ist links an der Liste Links. Lilo weist hier mit den Mitteln marxistischer Analyse, anhand des tatsächlichen Handelns der Liste & ihrer genauen Wahrnehmung der Leere & den Widersprüchen hinter den Phrasen nach, daß die Liste nicht nur nicht „links“ ist, sondern es aufgrund ihrer eigenen Äußerungen sowie ihres Verhaltens gar nicht sein kann. Einige Auszüge:

Ihnen (den Mitgliedern der Liste – Anm. d. Verf.) gemeinsam ist die Überzeugung, dass sie so etwas wie „die wahre Linke“ darstellen, an deren Darstellung des Kapitalismus wie an ihrer (Art der) Argumentation kein Fehl zu finden sein könne ….  Eine „streitbare Diskussion“ oder „kooperatives Agieren“, wie sie in ihren unzähligen, in Ansatz und Argumentation bis in die spezielle Wortwahl sich wiederholenden Drucksachen schreiben, kann auf dieser Grundlage (langjährige Erfahrung belegt es) nicht zu Stande kommen. Wenn sie einer antikapitalistischen Argumentation oder Position (außer bei von ihnen Anerkannten, z.B.. sächsischen Professoren) begegnen, die sie platterdings nicht zurückweisen können, nennen sie sie „Heuchelei“ oder sie kritisieren etwas, das gar nicht gesagt wurde, mit dem Hinweis: „ich interpretiere das aber so“. Und sie haben vielfältige Formen solcher Abwehr entwickelt…. Die ausgrenzenden und denunziatorischen Formulierungen von Führungsgruppenmitgliedern der Partei …..… haben der Liste Links und ihren Unterstützerlnnen eine Öffnung geboten, den im Statut verankerten Pluralismus allein für sich zu reklamieren und ihn dementsprechend allen anderen Strömungen nicht zuzugestehen…… In Hamburg aber bekämpft sie alle GenossInnen, gleich welcher Strömung oder Tendenz in der PDS sie angehören, wenn sie den absoluten Avantgarde-Anspruch der Liste Links nicht anerkennen….. Welche Auffassung hat aber die Liste Links von den von ihnen so genannten „Subalternen“ und der ihnen aufgezwungenen Existenzweise? „Die Spaltung (zwischen Produktion und Reproduktion, L.L.) rechnet sich, solange gesellschaftliche Reproduktionsaufgaben (Socken waschen, Graupensuppe kochen, Puschen hinstellen, Kinder dressieren, Alte krank- und Kranke totpflegen und dabei ‚harmonisierend‘ und ‚ausgleichend‘ wirken) privat geleistet werden“, heißt es in den „Thesen“. Und an anderer Stelle: „Wenn die scheinfröhliche 630-Mark-Gemeinschaft in bunten Talk-Shows über ihre Geschlechtsorgane plappert, Esoterik und Astrologie als moderne Religionen gefeiert werden, Kriege auf dem Bildschirm als Unterhaltung genossen werden sollen und Profit als Höhe des Gemeinwohls ausgegeben wird, erscheint das gute alte Rom als ein Kindergeburtstag der Dekadenz.“

Statt Solidarität nichts als Verachtung! …. Noch einmal: Was ist das „Linke“ an der Liste Links?

Bereits diese wenigen Ausschnitte aus Lilo´s  Artikel belegen, daß bereits im Jahre 2000 das Agieren der Listenmitglieder in gleicher Art & Weise verlief wie heute. Auch die Texte mit ihrer kruden Mischung aus vorgeblich linker pseudoradikaler Phraseologie & zynischem Avantgardeanspruch waren schon damals so unlesbar wie theoretisch falsch. Allerdings taugten sie damals wie heute als Blendwerk des Unpolitischen. Zu bedenken ist auch, die hauptsächlich handelnden Personen waren die gleichen wie heute.

Zum inneren Zustand der Liste Links & ihrem Wesen als Psychosekte:

Aus der vergleichenden Betrachtung von Gemeinschaften, die einen, im Vergleich mit anderen, hohen Prozentsatz von Aussteigern produzieren, welche die Gemeinschaft als sektenhaft erlebt haben, können Merkmale potenziell als Sekte wirkender Organisationen (sog. Sektenmerkmale) gewonnen werden, z.B.

1) Eine Führungspersönlichkeit, deren Aussagen nicht hinterfragbar sind und der allfällige Verehrung zukommt.

2) Regulationen für viele Bereiche des Lebens.

3) Ein (institutionalisierter oder informeller) Kontrollmechanismus zur Überwachung des Verhaltens der einzelnen Mitglieder.

4) Ein Elitebewusstsein der Organisation.

5) Eine Innen-Aussen-Spaltung mit Abwertung der Aussenwelt, eine systematische Abwertung des bisherigen Lebens.

6) Endogamie, d.h. ein Verbot oder die Ächtung von Liebesbeziehungen zu Aussenstehenden.

7) Hohe zeitliche Inanspruchnahme der Mitglieder.

8) Z. T. auch weitgehende Indienstnahme der finanziellen Ressourcen der Mitglieder u.a.m.

Zur schnellen Prüfung der Sektenhaftigkeit von Gemeinschaften haben sich folgende drei Merkmale bewährt, die gemeinsam gegeben sein müssen, um bei einer Gemeinschaft hohe Sektenhaftigkeit erwarten zu lassen:

1) eine Führung, die von den Mitgliedern nie kritisiert wird

2) Regulationen für alle Bereiche des Lebens

3) Kontrolle der Beachtung dieser Regeln entweder formell oder informell.        

… aus der sektenaufklärerischen Webseite: www.relinfo.ch

Bei der Liste Links / BAE! handelt es sich um einen nach außen abgeschotteten Kreis, über dessen Innenleben einiges vermutet, vieles befürchtet & nichts tatsächlich bewiesen werden konnte, da Nachrichten oder Berichte aus ihrem Innern nicht existent waren oder sich in Andeutungen erschöpften. Aus der Geschichte der K – Gruppen der 70er Jahre, sowie soziologischen & psychologischen Untersuchungen von Sekten wissen wir, daß Informationen über deren innere Strukturen & Führungszusammenhänge nahezu ausschließlich durch Aussteiger erlangt werden.

Im Jahre 2012 stiegen insgesamt 13 namentliche Unterzeichner nach vergeblichen Versuchen einer Diskussion aus dem BAE! aus & veröffentlichten ein Papier mit dem Namen Manifest der Gleichen, welches ungeheuerliche & erschreckende Einblicke in das menschenverachtende Innenleben des BAE! & somit der Liste Links lieferte. Nach Kenntnisnahme dieses Papiers durch weite Kreise der LINKEN – das Manifest kursierte in diversen parteiinternen Verteilern – ist & bleibt es unverständlich, warum Mitglieder der Liste Links nicht umgehend aus der Partei ausgeschlossen wurden, bzw. keinerlei Konsens darüber angestrebt wurde, daß Mitglieder der Liste weder in Funktionen gewählt werden, noch daß es irgendeine Zusammenarbeit mit ihnen geben kann. Das Ausmaß an Führerkult, menschenverachtender Ausbeutung, incl. Gehirnwäsche, Erniedrigung & Straftribunalen widerspricht nicht nur allem, was nach Buchstaben & Geist  für Mitglieder der Linkspartei zu gelten hat, sondern offenbart, daß es sich bei der Liste Links / BAE! weniger um eine politische Organisation, als vielmehr um eine Psychosekte handelt. Die Fraktionsvorsitzende der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft lehnt hingegen jegliche Ausgrenzung von Teilen der Partei, zu denen sie ausdrücklich auch die Liste Links zählt, strikt ab. Das Manifest bezeichnet den bereits Eingangs genannten engen Führungszirkel ganz selbstverständlich als ZK, sodaß davon auszugehen ist, daß dies intern die tatsächliche Bezeichnung darstellt.

Auf Seite 4 im Abschnitt II (die Gleichen) des Manifests, findet sich folgender Satz: Wir sehen das Gesicht von Sektenhaftigkeit und Revolutionstribunalen, wir sehen das Gesicht der Hierarchie und des Chauvinismus, wir sehen die Unfähigkeit und die aus Verzweiflung errichteten Schranken gegen die ach so bürgerliche Umwelt.

Im Kapitel III (Sektenartigkeit) gibt es einen Abschnitt, den ich hier in Länge zitieren möchte, da er ausschlaggebend für das Verständnis der Liste Links wie des BAE! ist:

Ihr (die Führung des BAE! – Anmerk. d. Verf.) habt es in eurem aufgeklärten Rationalismus verstanden, den wissenschaftlichen Sozialismus in eine Religion zu verwandeln. Dazu sind wir zu kritisch. Ihr habt es in eurer Egalität verstanden diese Religion euch von Olaf erklären zu lassen. Dazu sind wir zu egalitär. Ihr wollt eine Hegemonie durch die Hegemonie neuen Typus ersetzen. Wir wollen die revolutionäre Klasse Mensch. Die Sektenartigkeit besteht aus zwei Ebenen:

1. Die Inhaltliche: Da alle anderen nicht so weitreichend sind wie die eigene Gruppe, führt das Beschäftigen mit anderen Personenkreisen zur Ablenkung und zur Verwischung der Linie. Jedes Abweichen von der Linie ist grün oder liberal und ist schon deshalb falsch (bist du für oder gegen uns). Wenn man mit Personen redet dann nur politisch, was „normale“ Freundschaften mit Andersdenkenden fast unmöglich macht. Neue Mitglieder werden von den alten Mitgliedern genauestens geprüft, bevor sie in die Geheimnisse der Liste eingeweiht werden. Nur durch Hochbuckeln vor der nächst höheren Ebene oder den Obersten kann man aufsteigen. Indem man alles auf eine Haltungsfrage reduziert, ist ein Suchen nach der Wahrheit nutzlos und daraus entstehende finanzielle, psychische oder gesellschaftliche Probleme werden nicht akzeptiert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Das ZK und dort sein Vorsitzender haben immer recht und geben die Linie auf der zu handeln ist vor.

2. Die Strukturelle: Die beiden Listen (Liste Links & harte Zeiten – Anm. d. Verf.) sind hierarchisch strukturiert und lassen keinen Ihrer festen Mitglieder ohne Widerstand gehen. Dafür gibt es die sog. Verantwortung und die Solidarität, die abgelöst von einer selbstständigen Wahl des Individuums, als Zwangsmittel genutzt werden, um die „Herde“ zusammenzuhalten. Wenn sich Personen von den Gruppen lösen wollen, sind die anderen Mitglieder dazu verpflichtet, die abtrünnige Person zunächst friedlich zurückzuholen. Ist das nicht möglich, wird Druck ausgeübt und wenn auch dies wirkungslos ist, wird versucht die Person (sogar mit Hausbesuchen) zu brechen (Revolutionstribunal). Soziale Kontakte mit Außenstehenden werden durch eine Dauerbeanspruchung der Personen systematisch zerstört und neue Kontakte außerhalb des Bündnisses nahezu unmöglich gemacht. Wenn man mit Außenstehenden redet dann nur um diese zu missionieren oder zu agitieren. Dies führt zu einem Isolationsprozess. Es gibt durch den Isolationsprozess wiederum Gesinnungsprüfungen, die die Einheit und Reinheit der Gruppe im Außenverhältnis gewährleisten sollen. Die Gruppe wird zum proklamierten Referenzpunkt seiner selbst und seiner einzelnen Mitglieder. So sollen Freundschaften (und nicht „Freundschaften“) und Beziehungen (letzteres wenn überhaupt!) innerhalb der Gruppe stattfinden, da diese erklärterweise die einzig wahren seien – in Wirklichkeit dient die Selbstreferenzialität dazu, den Laden „sauber zu halten“, Genossinnen und Genossen von einem Perspektivwechsel und dadurch von möglicherweise kritischeren und auch weltoffeneren (=realistischeren) Einschätzungen abhalten zu können.

Im Abschnitt IV (Personengruppen) wird auf Seite 6 des Manifests die Hierarchie beschrieben. Kursiv Gedrucktes beinhaltet jeweils Zitate aus dem Text des Manifests. Unangefochtener Führer ist Olaf  (Walter – Anm. d. Verf.) dessen Namen ich hier nenne, weil er auch im Manifest steht, & der dort als unangefochtener Primus bezeichnet wird. Desweiteren gehören 4 Personen dazu. Diese nennen sich Senioren & bezeichnen sich als Avantgarde der Aventgarde. Darunter folgen die sog. Bauchredner, die widerstandslos die Linie des ZK affirmieren, denn Widerstand käme einem Verrat gleich. Es folgen die Junioren, die für Wahlkämpfe & zum Flugblattverteilen konzipiert wurden. Ganz unten in der Hierarchie stehen die Welpen, die die gleichen Aufgaben & Pflichten haben wie die Junioren, jedoch von Revolutionstribunalen verschont werden.

Im Abschnitt V (Unfähigkeit zur Bündnispolitik) heißt es im Unterabschnitt Sprache auf Seite 9:

Es (das Verständnis von Sprache – Anm. d. Verf.) wird benutzt um alle auf eine Linie zu trimmen, Fahnenflucht, mit einer Überziehung von Anschuldigungen (unverantwortlich/unsolidarisch/antikommunistisch…), zu verhindern und Leistungsanforderungen (die nicht so heißen dürfen) durchzusetzen. Es bedeutet auch, dass alle bezahlen müssen, damit das ZK essen, wohnen und diskutieren kann, ohne sich mit Lohnarbeit rumzuplagen.

2. Biologistisch: Zeitmangel gibt es nicht und Schlaf braucht man im Kampf für den Sozialismus sowieso nur alle paar Tage. Wer dennoch müde wird hat ein Einstellungsproblem, denn alles andere wäre biologistisch. Überhaupt wird die biologische Funktion des Körpers nicht akzeptiert. Aus der richtigen Beobachtung, dass der im Kapitalismus oft vorkommende Stress sowie Angst und daraus resultierenden Depressionen krank machen wird der überspitzte Umkehrschluss abgeleitet, dass es ohne den Kapitalismus keine Krankheiten gäbe. Leider ein Irrtum.

Der erschreckendste Teil des Manifests befaßt sich mit den im Abschnitt VII,  Seiten 10 / 11 beschriebenen Revolutionstribunal (en). Auch diesen möchte ich aus naheliegenden Gründen in voller Länge zitieren:

In diesen Tribunalen wird zunächst mit personeller Übermacht eine einzelne Person fertig gemacht in dem man ihr unsolidarisches Verhalten, Harmonisucht, Spaltertum, Christlichkeit oder irgendwas anderes vorwirft. Danach wird erklärt worum es doch gehen würde, dass man eine Verantwortung hätte, dass man den anderen sonst mehr Arbeit zumuten würde und das diese Aktion und Ihre Ausführung, so wie sie dargelegt wurde, alternativlos wäre, wenn man das große Ziel erreichen wolle. Danach darf man sich dann „entscheiden“ ob man entweder all das Vorgeworfene auf sich lädt und der Arsch ist oder ob man für die Sache kämpfen wolle und für die restliche Zeit ebenfalls der Arsch ist, bis man sich rehabilitiert hat oder einen neuen Arsch fand. Gerade dieses: bist du für oder gegen uns ist aber eine dogmatische Konstruktion, die die systemische Funktion hat, dass es nicht um Argumente geht sondern um ein Glaubensbekenntnis.

Wie läuft ein solches Revolutionstribunal ab?

1. Die Befrager, „Besorgten“, Verhörer haben ein konkretes Anliegen (das Erfragen bestimmter Sachverhalte, Haltungen, Motive etc.) und bereiten sich als Team darauf vor.

2. Die Befragten, Abweichler, „Verdächtigen“ geraten (häufig) scheinbar zufällig in das Verhör. Zufällig für sie selbst, da sie selbst nicht Herr der Terminierung sind. Ferner sind sie verfügungslos, da sie keine zureichende Vorbereitung auf das konkrete Gespräch und kaum organisierten, solidarischen Beistand haben werden. Sie werden sowohl formal (Zeit und Ort) als auch inhaltlich (die „Ankläger“ haben im Vergleich zu einem selbst ein „Drehbuch“) überrascht.

Wie reagiert ein so befragtes Subjekt? Es gibt mindestens drei Großgruppen von Verhaltensweisen.

1. Ein Zustand temporärer De-Individuation: Das Subjekt verkümmert in Körperhaltung und Artikulation. D.h. Es sackt merklich zusammen und verkrampft, sowie auf sprachlicher Ebene stammelt es während es im artikulatorisch-physikalischen Bereich Symptome stimmlicher Überreizung (Räuspern, Kratzen, trockener Hals) zeigt, obwohl dies physiologisch keine erklärliche Basis hat. Diese psychosomatische Überreizung kann im psychischen Bereich im schlimmsten Fall zum Nervenzusammenbruch führen.

2. Der Gang in die Offensive: Der „Verhörte“ versucht die Befrager durch eine offene Diskussion daran zu hindern, ihn in die Defensive zu drängen. Dies kann verbal in unterschiedlichen Modi passieren. So kann das „Drehbuch“ vollständig unterlaufen werden durch Spiegelung von Vorwürfen oder Vorhaltungen. Dies kann auf Seiten der Befrager in einer verschärften und unsachlicheren Befragungsmethode führen oder, im selteneren Falle, zum Abbruch der Befragung. Auf der Subjektebene erfordert der „Gang in die Offensive“ ein hohes Maß an Selbstvertrauen und -sicherheit. Darüber hinaus sollte der Befragungsmodus durchschaut worden sein.

3. Die Flucht: Der „Verhörte“ entfernt sich aus der Befragungssituation aus Furcht und Unbehagen, seine Emotionalität präsentieren zu müssen bzw. einem Zusammenbruch (s.Punkt 1) entgegenzutreten. Gerade in Zusammenhängen, in denen „eigentlich“ eine hohe Zustimmung zu den proklamiertem Gruppenzielen besteht, kann für das Subjekt eine Hemmschwelle zur Realisierung dieser Option bestehen, da man die anderen ja „enttäuschen“ könnte und die eigene Verweigerung nicht zur „Klärung“ eines (vermeintlichen) Problems für alle führen kann.

Wer also bislang dachte, Derartiges kenne er nur aus Berichten über einige K – Gruppen in den 70er Jahren, über Scientology, Mitschnitten aus Verhandlungen des Volksgerichtshofes oder stalinistischer Schauprozesse, wird eines Besseren belehrt: Er findet sich wieder in einem Zusammenhang von Personen innerhalb einer deutschen Universität zu Beginn des 21. Jahrhunderts, sowie innerhalb einer als gemeinhin demokratisch geltenden Partei ! Wer das hier Zitierte vertiefen möchte: Das Manifest der Gleichen ist im Internet unter seinem Titel mühelos auffindbar. Personen, die zur Liste gehören, finden sich im Internet auf der Seite des BAE! (www.bae-hamburg.de). Die sich aufdrängende Frage, was für Menschen in derartigen Strukturen ihr Heil in Unterdrückung, bedingungslosem Gehorsam, Erniedrigung, Folter & Bestrafung suchen, sollte allerdings nicht von mir, sondern von Psychologen & Psychiatern beantwortet werden.

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       … zerstörtes LINKE Wahlplakat, die Genossin Zaklin Nastic hat allerdings keine Verbindungen zur LiLi

Fazit:

Fassen wir also zusammen: Bei der Liste Links handelt es sich um eine Psychosekte in der Hamburger Linkspartei, deren Zweck es ist, Macht & Einfluß zu gewinnen, um deren Politikfähigkeit nachhaltig zu unterminieren, zu dekonstruieren & ihr praktisches politisches Wirken zu verhindern. Dies ist möglich, weil die Mehrheit der aktiven Mitglieder offenbar weder willens noch in der Lage ist, den Charakter der Sekte zu erkennen, ihn zu benennen & ihm entschiedenen Widerstand entgegen zu setzen, oder aber sich die Liste aus opportunistisch individuellen Gründen nutzbar zu machen versucht. Man könnte sagen, Teile der aktiven Mitgliedschaft sind, sehr euphemistisch ausgedrückt, weitgehend unpolitisch! Sie lassen sich von inhaltsleeren pseudoradikalen Phrasen blenden & halten das, was die Sekte vorgibt, für entschieden links. Schon Ernst Jandl wußte allerdings: Lechts & Rinks kann man nicht velwechsern !

In Wahrheit ist es allerdings sehr viel schlimmer: Die Zusammenarbeit mit Gefolgsleuten der Liste, ihre Wahl in Parteiämter & die Anerkenntnis der Liste als politischen Zusammenhang bedeutet die Anerkenntnis & die Wahl von Mitgliedern einer Organisation, zu deren gängiger Praxis Ausbeutung, Demütigung, Folter & Bestrafung gehören. Dies zu ignorieren, bedeutet es zu unterstützen. Es bedeutet, dafür zu sorgen, daß Menschen weiterhin entsprechend behandelt werden, daß Strukturen fortbestehen, gegen die aus anderen Anlässen jede/r sich als links Verstehende zu Recht empört auf die Straße ginge. Es bedeutet die Anerkenntnis & Unterstützung des Gegenteils von Zivilisation, Freiheit, Demokratie, Aufklärung & Emanzipation. Was für ein menschliches & politisches Desaster !

Was wäre zu tun ? Schon die Fragestellung verrät, daß nichts getan werden wird. Die Zustände sind bekannt, das „Wirken“ der Sekte ebenfalls. Selbstverständlich wären Parteiausschlußverfahren (für die der Gesetzgeber hohe Hürden vorgegeben hat, die hier nicht genommen werden dürften, allerdings sehr wohl zu breiter Aufklärung beitragen könnten), die konsequente Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit mit Gefolgsleuten der Sekte, sowie in einem ersten Schritt die Organisierung breiten Widerstandes innerhalb der Partei. All das wird, wie gesagt, nicht geschehen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt, & daraus eine persönliche Konsequenz zu ziehen, bleibt unbenommen.

Denn eine Frage bleibt;  also nochmals: Was ist links an der Liste Links ?

Februar 8

Das graue Haar

Ein welkes Sommerblatt fiel mir zu Füßen.
– Dein erstes graues Haar. Es sprach zu mir:
Mai ist vorbei. Der erste Schnee läßt grüßen.
Es dunkelt schon. Die Nacht steht vor der Tür.

Bald wird der Sturmwind an die Scheiben klopfen.
Im Lindenbaum, der so voll Singen war,
Hockt stumm und düster eine Krähenschar.
Hörst Du den Regen von den Dächern tropfen?

So sprach zu mir das erste graue Haar.
Da aber ward ich deinen Blick gewahr,
Da sah ich, Liebster, lächelnd dich im Spiegel.
Du nicktest wissend: Ja so wird es sein.

Und deine Augen fragten mich, im Spiegel,
läßt mich die Nachtigall im Herbst allein?
Und meine Augen sagten dir im Spiegel:
Kommt, Wind und Regen, kommt! Wir sind zu zwein.

Das graue Haar, ich suche es, im Spiegel.
Der erste Kuss darauf, dass war mein Siegel.

Maschka Kaléko